Mittwoch, 20. Januar 2016

Arme Sezessionisten?

Leider werde ich den Eindruck nicht los, dass Herr Krieger diesen Artikel einfach nur bei einer der Regierungstreuen, ja sogar -hörigen Tageszeitungen wie 'La Razón', 'ABC' oder 'El Mundo' abgeschrieben hat. Dem widerspricht jedoch seine Behauptung, dass "der neue Wirtschaftsminister Oriol Junqueras ... auch "Außenminister" Kataloniens ist", denn in Madrid weiß man, dass der Mann, der vom neuen katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont mit der Betreuung der auswärtigen Angelegenheiten beauftragt wurde, tatsächlich Raúl Romeva heißt, der die Koalitionskandidatur 'Junts pel Sí' bei den Regionalwahlen vom 27. September anführte und auch gewann.

Wen kann es bei einer derart fehlerhaften Berichterstattung da noch wundern, dass der Autor den Madrider Vortrag, dass Katalonien ohne staatliche Unterstützung seine Rechnungen nicht bezahlen kann, ganz einfach 1:1 übernimmt, ohne den katalanischen Standpunkt zu dieser, ebenso falschen, Behauptung mit in seinen Bericht aufzunehmen. Seit Jahrzehnten bedient sich der spanische Staat in Katalonien mit seinen Steuern und lässt die Region am langen Arm verhungern. Während z.B. in Deutschland die bayerische Regionalregierung schon wegen einem Solidaritätsabschlag von 2% auf die Barrikaden geht, ist in Katalonien die Schlucht zwischen dem, was der Staat sich nimmt und dem, was er zurückgibt, jährlich zwischen 8% und 12% tief. Und leider werden mit diesem Geld nicht etwa die ärmeren Menschen im Land unterstützt, nein. Damit werden irgendwelche irrationale Wahnsinnsprojekte finanziert (Flughäfen, die niemand braucht, Hochgeschwindigkeitstrassen in die Wüste, u.s.w.), die keinen anderen Sinn haben, als den Madrider Regierungsbeamten die Wiederwahl zu garantieren.

Herzlichen Glückwunsch! 

Thomas Spieker

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Samstag, 26. September 2015

Katalonien bricht mit Spanien





Ursprünglich hatte sich das neue Spanien nach dem Tod Francos die deutsche und die österreichische Verfassung zum Modell nehmen wollen, um das zentralistische, von Madrid aus regierte Königreich zu demokratisieren und zu dezentralisieren. Im Prinzip hätte Spanien in vier Bundesländer aufgeteilt werden müssen, um das Grundproblem Spaniens zu lösen, wie nämlich ein respektvolles Zusammenleben von Katalanen, Basken, Galiciern und Spaniern oder Kastiliern (mit Einschluss der Andalusier) in einem einzigen Staat möglich sei.


Der erste gravierende Fehler war, dass man die deutsche Bundesländerlösung falsch adaptierte und glaubte, statt vier über Jahrhunderte historisch gewachsene Länderteile zu ihrem Recht kommen zu lassen, ein Puzzle auf der Basis der Provinzeneinteilung von 1833 einrichten zu sollen. Es kam zu dem berühmten „café para todos“: jedem kleinen Territorium ein bisschen sogenannte Autonomie. Der Dezentralisierungsgedanke (der die Alliierten bei der Bundesländereinteilung geleitet hatte) wurde damit ins Gegenteil verkehrt. Das französische Modell der Departamentalisierung, das die jakobinische Vorherrschaft der Hauptstadt Madrid zementierte, war denkbar ungeeignet, das katalanische, baskische und galicische Problem zu lösen.

Der zweite gravierende Fehler war, dass der erste demokratische Entwurf der spanischen Verfassung unter der drohenden Präsenz des nachfranquistischen Militärs und eines eventuellen Militärputsches (wie er denn auch am 23. Februar 1981 von Tejero tatsächlich versucht wurde) sofort wieder zentralistisch zurückgefahren wurde und die vorgesehenen Kompetenzübertragungen („transferencias“) von der Zentralregierung auf die „Autonomien“ nur halbherzig in die Verfassung aufgenommen wurden und auf jeden Fall so unscharf formuliert waren, dass einer Rückkehr zum Zentralismus weiter Auslegungsspielraum offen blieb.

Die demokratische Aufbruchsstimmung unter der ersten sozialistischen spanischen Regierung hatte die Katalanen veranlasst, bei einem Neuaufbau eines demokratischen spanischen Staates kräftig mitzuwirken. Doch seit der Jahrtausendwende wurde, zunächst nur Einzelnen, bald aber auch einem größeren Teil der Bevölkerung und jetzt inzwischen der Mehrheit der Landesbevölkerung klar, dass Katalonien in eine Falle getappt ist. Dass sich der Weg eines Zusammengehens mit dem immer noch im tiefsten zentralistisch fühlenden Spanien als Sackgasse erweist. In letzter Zeit bricht die vehemente antikatalanische Einstellung der Mehrheit der Spanier derartig unverblümt zu tage, dass die Mehrheit der Katalanen, einschließlich der eingewanderten Spanier, überzeugt ist, dass Spanien an einem multikulturellen Staat nicht interessiert ist.

Es stellt sich für jeden immer deutlicher heraus, das ein Großteil des spanischen Establishments von jeher gegen die Dezentralisierung gewesen ist und nur für eine Weile stille gehalten hatte. Mit Macht und in Gestalt der rechtslastigen sogenannten „Volks“partei, die am Regierungssteuer ist, versucht Spanien das Ruder zurückzuwerfen. Man hat ein Gesetz verabschiedet, das ein Referendum, das die Volksmeinung über die politische Zukunft demokratisch abfragt, unter Strafe stellt. Das spanische Verfassungsgericht ist politisch besetzt und entscheidet parteiisch und hat dadurch alles Prestige verspielt. Die Entscheidungen dieses Verfassungsgerichts sind sogar schon als rassistisch kritisiert worden, weil einem spanischen Kind in der Schule mehr Rechte als einem katalanischen Kind zugesprochen wurden. Die Regierung kann jedenfalls damit rechnen, dass alle antikatalanischen und zentralisierenden Gesetze bei diesem Gericht durchgehen und dass alle Versuche Kataloniens, die spanische Verfassung im Sinne ihrer ersten Verfasser anzuwenden, abgeschmettert werden.

Gesetze, die das spanische Parlament mit absoluter Mehrheit laufend beschließt, schnüren Katalonien immer mehr den Hals zu. Besonders an die katalanische Sprache und das katalanische Schulsystem wird Hand angelegt. Der spanische Erziehungsminister (den es wie im deutschen Bundesstaat garnicht geben dürfte) regiert in die Kompetenzen Kataloniens hinein und hat erklärt, sein Ziel sei es, die katalanischen Schüler wieder zu „spanisieren“. (Es klingt nach Francos Dekreten, als er in Katalonien einmarschierte.) Er tritt damit (und mit voller Rückendeckung durch die spanische Regierung) in ein in Katalonien besonders heikles Fettnäpfchen. Die Hasstiraden von Spaniern gegen Katalanen im Internet nehmen kein Ende und selbst spanische Politiker geben Äußerungen gegen Katalonien von sich, die sich weit unter einem europäschen Mindeststandard von politischem Niveau bewegen.

Was in spanischen Zeitungen täglich über Katalonien geschrieben wird, ist hanebüchen. Eine Gruppe junger Spanier, die sich mit zum Hitlergruß erhobenen Armen abbilden lassen, will alle Balkone, die die katalanische Unabhängigkeitsflagge tragen, fotografieren und mit Adressen auflisten, damit die Guardia Civil nach dem ersehnten Umschwung in Spanien sogleich weiß, wen sie verhaften muss. Viele Katalanen sehen keinen Sinn mehr daran, mit solchen Nachbarn in einem Staat zusammenzuleben. Eine junge Andalusierin, Mel Dominguez, die in Katalonien wohnt, hat ein Video bei youtube eingestellt („A mi me hablas en español“), in dem sie gegen die blinde Katalanophobie der Spanier (z. B. auch die ihres Vaters) protestiert. Das Video hatte in 10 Tagen zwei Millionen Besucher. Daraus kann man entnehmen, welche Unruhe und Protest der spanische Hass hervorruft.


Finanzausgleich: statt Solidarität Ausbeutung

Was aber das Fass zum Überlaufen gebracht hat, ist die staatliche Umverteilung der Steuereinnahmen auf die einzelnen „autonomen“ Gemeinschaften Spaniens. Nach jahrelangem Druck hatten das Finanz- und Wirtschaftsministerium endlich die Zahlen bekanntgegeben, wie das Steueraufkommen in Spanien verteilt wird. Dabei stellt sich klar heraus, dass Katalonien seit Jahrzehnten systematisch um seinen wirtschafltichen Ertrag geprellt wird, und dass Spanien seit Jahrzehnten auf Kosten Kataloniens lebt. Die Katalanen haben es jetzt schwarz auf weiß, dass 9 bis 10 % ihres Sozialprodukts statt in ihr Land und in ihre Infrastrukturen investiert zu werden, dazu dienen, um in Spanien Flugplätze zu bauen, die dann keine Fluggesellschaft anfliegt. 39 Flughäfen in Spanien sind im Defizit – mehr als Deutschland überhaupt Flugplätze hat. Schnellbahnlinien wurden radial von Madrid aus ins ganze Land gebaut, um es an seine Hauptstadt zu binden. Doch einzelne Strecken mussten schon wieder stillgelegt werden, weil nur noch 5 Passagiere pro Zug das Angebot nutzten. Spanien hat das größte Schnellbahnbauprojekt Europas. Nur die Linien, die Katalonien benötigt, sind um ein Jahrzehnt verzögert worden.

Der Bau der Mittelmeerschnelltransporttangente Gibraltar-Alacant-València-Barcelona-Perpinyà und weiter nach Lyon-Frankfurt-Schweden wird von Madrid boykottiert, weil Europa aus Kostengründen abgelehnt hat, sie über Madrid zu leiten (Madrid liegt eben nicht am Mittelmeer!). Autobahnen werden in Spanien außerhalb Kataloniens ohne Maut benutzt, weil aus Steuergeldern gebaut. In Katalonien wird jeden Tag den Benutzern das Geld aus der Tasche gezogen. Katalanen zahlen also mit ihren Steuern, dass die spanischen Autobahnen gratis befahren werden können, werden aber im eigenen Lande für jeden Kilometer zur Kasse gebeten.

Zu der Geldverschwendung an sich kommt die Tatsache hinzu, dass Katalonien in eine wirtschaftliche Notlage gebracht wird, die von Madrid verschuldet ist. Katalonien wäre restlos schuldenfrei, wenn es über sein eigenes Geld verfügen könnte. Die gravierenden Einsparungen im katalanischen Gesundheitswesen, die jeder Katalane am eigenen Leib spürt, wären unnötig. Ebenso unnötig wie die Gehaltskürzungen in allen Bereichen. Übrigens ist das Baskenland tatsächlich schuldenfrei, weil es seine Steuergelder selbst eintreibt, wie es Katalonien auch tun möchte. Musste die ETA existieren, damit das Baskenland besser gestellt wurde, als Katalonien? Es ist offensichtlich: Katalonien hat sich bei der Festlegung der Staatsstrukturen nach dem Ende der Diktatur von Madrid über den Tisch ziehen lassen.

Die Schulden, die Madrid allein in den letzten zwei Jahren in Bezug auf gesetzlich und haushaltsmäßig festgelegte Verpflichtungen gegenüber Katalonien aufgehäuft hat, gehen schon wieder in die Milliarden – abgesehen von den 18 Milliarden, die Madrid jährlich aus dem katalanischen Steueraufkommen in politisch genehme Regionen Spaniens umleitet und umverteilt. Von einem solidarischen Finanzausgleich nach bundesrepublikanischem Muster kann hier nicht mehr die Rede sein, da es sich um zehnfach höhere Summen handelt, was in Deutschland das Solidaritätssystem zum Platzen gebracht hätte.

Aus alledem geht hervor: Spanien hat nicht das geringste Interesse, am Verhältnis mit Katalonien etwas zu ändern. Die katalanische Wirtschaftsleistung soll weiterhin dazu dienen, die Finanzen Spaniens zu retten und die wirtschaftlichen Fehlentscheidungen zu decken. Dies kann man wirtschaftstechnisch nur noch so bezeichnen: Katalonien soll weiterhin als Kolonie für Spanien dienen.


Katalonien steht mit dem Rücken zur Wand

Katalonien hat keinerlei auf spanische Gesetze gestützte Hebel in der Hand, um diese Situation zu ändern. Ob die Europäische Union in diese Ausbeutungssituation einzugreifen bereit ist, ist mehr als ungewiss. Denn es ist unsicher, ob die EU für ein gesund wirtschaftendes Katalonien als möglichem mediterranen Musterstaat ein dann marodes Spanien in Kauf nehmen würde. Ob die internationalen Gerichtshöfe sich auf eine Klage Kataloniens gegen Spanien einlassen würden, ist ebenso unsicher.



Kataloniens demokratische Rechte

Was Katalonien allein in der Hand bleibt, sind demokratische Grundmanifestationen, Wahlen, Demonstrationen, Abstimmungen. 2010 gingen 1 Million Katalanen auf die Straße, um gegen die finanzielle und identitäre Drangsalierung durch Spanien zu protestieren. Am 11. September 2012, dem katalanischen Nationalfeiertag, waren es über 1,5 Millionen, die unter dem Lemma „Katalonien, ein neuer Staat in Europa“ demonstrierten. Jedes Jahr gab es erneut diese Demonstrationen, die sich 2013 in Form einer 400 km langen Menschenkette von den Pyrenäen zum Ebre, am 11. September 2014 mit einem Sieges-V auf den größten Transversalalleen Barcelonas und am 11.9.2015 sogar mit 2 Millionen Teilnehmern manifestierten.

Bei den Wahlen am 25.11.2012 wurden mit einer ungewöhnlich hohen Wahlbeteiligung 87 von 135 Abgeordneten gewählt, deren Parteien ein Referendum zur Unabhängigkeit oder eine Loslösung von Spanien befürworteten. In dem inofiziellen Referendum vom 9. November 2014 zeigten 2,3 Millionen Wähler bürgerlichen Ungehorsam gegen den spanischen Staat, der den Wahlgang verboten hatte. 80 % von ihnen wählten ein „Ja“ für die Unabhängigkeit. Ein unübersehbares Votum gegen die von Spanien geltend gemachten Besitzrechte an Katalonien, die jede demokratische Entscheidung mundtot machen sollen. Immer verbohrter igelt sich Spanien in diese Position ein und merkt, dass ihr immer mehr Felle davonschwimmen.

Es ist möglich, dass eine mehrheitliche Erklärung eines neuen katalanischen Parlaments die einseitige Loslösung von Spanien erklärt. Dann werden die Juristen miteinander zu kämpfen haben. Hoffentlich wird dann die internationale Presse, deren Korrespondenten fast alle in Madrid sitzen, nicht, wie bisher meist, nur den Madrider Standpunkt vertreten. Es scheint jedenfalls durchaus möglich, dass Spanien Katalonien verlieren wird.

Die Kulturkomptenz der Spanier aller Generationen reicht nicht aus, um ein multikulturelles Spanien zu akzeptieren, in dem z. B. Katalonien auf gleicher Augenhöhe mit Spanien stehen kann.


Prof. Dr. Tilbert Dídac Stegmann und Diplocat

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Donnerstag, 28. August 2014

Die UNO kritisiert das spanische Königreich, die Aufklärung der Verbrechen des Franquismus zu verhindern

Der UN-Beobachter Pablo de Greiff hat Spanien kritisiert, die „schweren” Verbrechen während desBürgerkriegs und der darauffolgenden Diktatur weder zu untersuchen noch aufklären zu wollen. Zudem drückte er sein Bedauern über die „riesige Distanz” zwischen den spanischen Autoritäten und den Opfern des Franquismus aus.

Nach einem 10-tägigen Besuch in Spanien, hat der UN-Beobachter zur Verteidigung von Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und gegen die Impunität seine vorläufigen Schlussfolgerungen bekannt gegeben und der spanischen Regierung eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen vorgelegt, zum Beispiel, das Amnestiegesetz von 1977 außer Kraft zu setzen und allen Opfern des Franquismus den Zugang zur Justiz zu ermöglichen.

Während der Pressekonferenz bezog sich Pablo de Greiff auf die Empfehlungen der UN-Kommissionen gegen Folter und gegen das zwangsweise Verschwinden. Dabei wies er besonders auf die Mängel im spanischen Justizbereich hin. In diesem Sinne verlangte er von der spanischen Regierung die Aufhebung des Amnestiegesetzes von 1977, und den Opfern des Franquismus den Zugang zu den Gerichten zu ermöglichen, was eine Anpassung der spanischen Gesetzgebung an den internationalen Standard bedeuten würde.

Zudem kritisierte er, dass Spanien angegeben habe, das Amnestiegesetz sei kein Schlussstrichgesetz. Dennoch erfülle es seiner Meinung nach letztendlich die Funktionen eines solchen Gesetzes, da bisher fast alle Fälle, die vor Gericht gelangten, zu den Akten gelegt wurden.

De Greiff erinnerte auch daran, dass in Ländern, wo Amnestiegesetze nicht außer Kraft gesetzt wurden, die Gerichte die Richtlinien so interpretierten, dass „eine gerichtliche Verfolgung der mutmaßlichen Täter nicht verhindert wurde”.

Außerdem drückte der UN-Beobachter seine Überraschung über den mangelnden Einsatz seitens des spanischen Staats für die Rechte der Opfer aus, gerade weil dies nicht „eine Frage politischer Neigung oder der Vertretung bestimmter politischer Interessen ist, sondern es um Rechte geht, die alle Bürger betreffen”. Seiner Meinung nach erklärt dies die enorme Distanz zwischen den staatlichen Institutionen und den Opfern des Franquismus, die größte Distanz dieser Art, der er jemals in seiner Berufslaufbahn begegnet sei.

In seinem Bericht fordert de Greiff die spanischen Gerichte auf, sich an den bereits offenen Gerichtsprozessen im Ausland zu beteiligen, ein Hinweis in Richtung Argentinien, wo mehr als einhundert Vereine, die Opfer des Franquismus vertreten, Klage eingereicht haben.



Pablo de Greiff (EFE)

In diesem Zusammenhang kritisierte er besonders das Vorgehen der Audiencia Nacional (oberstes spanisches Gericht) und der Staatsanwaltschaft, weil diese „offensichtlich darauf abzielen”, einen Beschluss des Verfassungsgerichts über das Amnestiegesetz und die Verjährung von „derartig schweren Verstößen gegen die Menschenrechte”, die seines Erachtens „Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschheit darstellen könnten”, zu verhindern. Als Beispiel erwähnte er den Beschluss der Staatsanwaltschaft der Audiencia Nacional, den Auslieferungsantrag zweier der Folter beschuldigten Franquisten, José Antonio González Pacheco – Billy el Niño – und Jesús Muñecas Aguilar, abzulehnen.




Der Beobachter drückte zudem seine „Sorge” in Bezug auf den aktuellen Gesetzentwurf der Regierungspartei (Partido Popular) zur Modifizierung des Weltrechtsprinzips aus, der die Anwendung besagten Prinzips in der spanischen Gerichtsbarkeit „deutlich einschränken würde”.

Auf der anderen Seite bedauerte de Greiff die fehlende Bereitschaft des spanischen Staats, wahre Aufklärungspolitik auszuüben. So würden mehr Hilfsmittel benötigt, um notwendige Untersuchungen durchführen zu können, wie zum Beispiel die Aktualisierung der Aufzeichnungen von Massengräbern, ein Bereich, der „im Prinzip von sämtlichen staatlichen Finanzhilfen ausgeschlossen ist”.

Zudem empfiehlt der UN-Beobachter eine Erweiterung des Gesetzes des historischen Andenkens (Ley de Memoria Histórica), um „bestehende Lücken” zu füllen, wie zum Beispiel die fehlende Anerkennung derjenigen Opfer, die zurzeit der Diktatur in Arbeits- oder Konzentrationslagern gefangen waren.

Außerdem wies er indirekt auf die „schwammige Darstellung” des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur im Schulunterricht hin und empfahl, den „mehr als angemessenen Forderungen der Opfer des Franquismus nach einer längst notwendigen Umgestaltung des Valle de Caídos („Tal der Gefallenen”, Standort des Franco-Mausoleums) Folge zu leisten.




Pablo de Greiff war während seines Staatsbesuchs nach Madrid, Andalusien, Katalonien und Galizien gereist und hatte sich mit dem spanischen Außenminister José Manuel García-Margallo sowie weiteren staatlichen Vertretern, Repräsentanten von Opfern und der Zivilgesellschaft getroffen.

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Freitag, 22. August 2014

Wenn ich Schwede wäre

Wenn ich Schwede wäre und mir Reportagen anschauen würde über diese altertümlichen Bräuche mit den Kapuzen und über die religiösen, barock anmutenden Spektakel in den spanischen Straßen -- als ob die Zeit damals stehengeblieben wäre -- hätte ich als potenzieller Tourist einen ersten Eindruck über ein solch exotisches Schauspiel. Danach würde ich die wöchentlichen Nachrichten anschauen und eine Anzeige wegen Betrugs über fast 2000 Millionen Euro sehen wegen falschen Ausbildungskursen in Andalusien; und ich würde dies mit dem jüngsten Bericht der Europäischen Union über Arbeitslosigkeit in Verbindung bringen, in dem sich Spanien neben Griechenland an der Spitze der Liste der Länder mit der höchsten Arbeitslosigkeit befindet; mit sieben Regionen zwischen den ersten zehn in ganz Europa. Die übrigen drei sind zwei in Mazedonien sowie die Kolonialinsel Réunion. Das heißt, das sogar die meisten französischen Überseekolonien besser dran sind, was die Arbeitslosigkeit betrifft, als Spanien. Ich würde auf die von der EU zur Verfügung gestellte Karte schauen und sehen, wie sich im Falle Italiens zumindest das Problem auf den Mezzogiorno konzentriert; im Norden sind die Arbeitslosenzahlen am dritthöchsten. In Spanien hat der Regionshomogenisierungsapparat des Staates einen Rekord erreicht: sogar die wirtschaftlich führenden Regionen -- die Region Valencias, Aragón, die Balearen und Katalonien -- haben eine Arbeitslosenquote von mehr als 20%.

Und es hört nicht auf. Wenn ich Schwede wäre, würde ich mir die Jugend- oder Langzeitarbeitslosigkeit anschauen und sehen wie Ceuta, Melilla, die Kanaren und Andalusien neben den französischen Überseegebieten Guadeloupe, Martinique und Guayana mit ca. 55% die Ranglisten anführen.

Und ich, als Nichtkenner der offiziellen Geschichte, würde denken, dass diese spanischen Territorien genauso wie die französischen Gebiete Kolonien Kastiliens sind, die seit 500 Jahren von der Oligarchie unterdrückt werden und somit in ihrer Entwicklung behindert werden.

Wenn ich die Nachrichten der Woche weiterverfolgen würde, würde ich sehen, dass Spanien auch die meisten Schulabbrecher hat. Das Land hat außerdem die am besten bezahlten Fußballspieler Europas, das am weitesten ausgebaute Schnellzugnetz (AVE) und die höchsten Energiekosten. Ich würde denken: wieso muss ich, lächerlicherweise, zu den 1,27% des europäischen BIP beitragen, die in bodenlose Abgründe wie Spanien geworfen werden? Als Schwede würde ich keinen einzigen Euro zur Aufrechterhaltung zu diesem riesigen Schandfleck namens Spanien beitragen wollen.

Aber wenn ich anstelle Schwede Katalane wäre, müsste ich 8 - 10% des BIP nach Spanien abgeben. Ich würde also denken, dass Europa nicht in der Lage dazu ist, die oligarchischen extraktiven Wirtschaftssysteme -- wie zuallererst Spanien -- zu verstehen und in die Schranken zu weisen; wenn Europa nicht versteht, wieso sich Katalonien als eine der wenigen Regionen, die sich vor dem Desaster retten können, emanzipieren will, dann verdient es auch kein Katalonien, das Interesse daran zeigt, zu einem Europa zu gehören, dass die Starken noch stärker macht und Minderheiten toleriert, die auf Kosten der Schwachen leben. Wenn ich es mir aus einem katalanischen Blickwinkel anschaue, wäre ich lieber kein Schwede. Lieber Norweger.


Josep Huguet
@Josep_Huguet

Italiano

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Samstag, 31. Mai 2014

Ansprache

Liebe Freunde, heute haben wir einen Grund zum Feiern: das Datum und die Frage für unsere Volksbefragung stehen fest. Wir feiern, dass wir am 9. November über die Zukunft unseres Landes entscheiden können.

Es ist WAHR, dass die Frage nicht genau der Vorstellung der 2 Millionen Menschen entspricht, die am letzten 11. September die Straßen Kataloniens bei einer der größten Demonstrationen aller Zeiten füllten. Aber TATSACHE ist, dass die erhoffte Frage in der doppelten Fragestellung enthalten ist.


Es ist WAHR, dass das Datum auch zeitlich nicht so nah liegt, wie wir es uns gewünscht hätten, aber TATSACHE ist, dass der gewählte Zeitpunkt einen politischen Vorteil hat und zudem ein großes symbolisches Gewicht, weil er mit dem 25. Jahrestag des Berliner Mauerfalls koinzidiert.


Aber das Wichtigste ist, dass es ein Datum und eine Frage gibt und wie es dazu gekommen ist: nämlich mit dem Konsens aller parlamentarischer Gruppen, die das Recht auf eine Entscheidung der Katalanen befürworten, und die zudem die große Mehrheit im katalanischen Parlament bilden.


Die Abstimmung ist der Weg. Am 9. November können wir Katalanen unser Recht, über die Zukunft unseres Volkes zu entscheiden, auf die friedlichste und demokratischste Weise, die es gibt, ausüben: mit einer Volksabstimmung.


Falls der spanische Staat dieses demokratische Recht verweigert, wird er vor Europa und der Welt bloßgestellt sein, denn keine Verfassung steht über der Demokratie. Man kann sich nicht Demokrat nennen und dagegen sein, dass ein Volk sein Recht auf Selbstbestimmung ausüben möchte. Allerdings müssen wir eins bedenken: Diejenigen, die dieses Recht in Katalonien verweigern, sind in der Minderheit, die nicht einmal an die 35 Prozent der Abgeordneten herankommt. Im Gegensatz dazu, könnte im spanischen Parlament dieser Anteil die 80 Prozent überschreiten, darunter die Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE). Diese Partei hat bereits angekündigt, dass in einer hypothetischen bundesstaatlichen Lösung für Spanien das Recht auf eine Selbstbestimmung der Katalanen keinesfalls Platz finden sollte. Herr Zapatero, als einer der „fortschrittlichsten” und pro-katalanischen Politiker der PSOE bekannt, und der nach eigener Aussage in Granada als „Katalane” beschimpft wurde, bestätigte vor wenigen Tagen, dass das Recht auf Entscheidung „gegen die Natur” sei. „Gegen die Natur” - Stellen Sie sich das vor! (Sicher auch „gegen die Natur” aus Sicht der Bischofskonferenz.)

Es ist also gut möglich, dass wir uns vor der ersten und einzigen Gelegenheit befinden, um über unserer Unabhängigkeit entscheiden zu können. Lasst sie uns nutzen!

Der spanische Staat hat bereits klargemacht, dass er alles in seiner Macht stehende tun wird, um zu verhindern, dass die Bürger Kataloniens über ihre Zukunft entscheiden können. Aber wir dürfen nicht den spanischen Staat mit dem spanischen Volk gleichsetzen. Uns verbindet viel mit dem spanischen Volk, das wir schätzen und das genau wie wir unter der Unterdrückung einer ausbeuterischen, zentralistischen, rückschrittlichen Oligarchie litt und leidet, unter den Nutznießern pharaonischer Bauprojekte, die uns alle auf die gleiche Weise haben verarmen lassen.

Aber wir haben einen Vorteil: uns vereinen eine eigene, ständig bedrohte Sprache und Kultur. Zugleich haben wir eine bemerkenswerte Zivilgesellschaft, die aktiv, dynamisch und stark ist, und die einen sozialen und politischen Wandel ermöglichen wird. Und vielleicht kann dies auch ein Vorbild für unsere Freunde im spanischen Staat sein, um aktiv zu werden.


Wir Katalanen wollen unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen, unsere Ressourcen selbst verwalten und weiterhin solidarisch mit den Einwohnern Spaniens sein, aber auf eine viel effizientere Art und Weise.


Und wir haben Eile, große Eile, denn die Bedürftigsten leiden wie nie zuvor.

Die Menschen meiner Generation haben den demokratischen Übergang erlebt. Wir waren jung und hatten das Privileg, am demokratischen Aufbau des Landes mitzuwirken. Heute haben wir die Möglichkeit, unserer Jugend zu helfen, einen neuen Staat zu errichten: ein freieres, fortschrittlicheres, solidarischeres und dementsprechend auch gerechteres Land. Wir haben eine großartige Gelegenheit vor uns, die begeistert und motiviert.

Worauf warten wir noch?


Wie sagt Miquel Martí i Pol: Es ist alles bereit und nichts ist unmöglich!

Katalanen … Machen wir uns auf.


Hoch lebe Katalonien!





Español

 

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Mittwoch, 5. März 2014

Thomas Spieker(HC) klagt die deutsch-europäischen Führungskräfte wiederholt ob ihrer demokratischen Mängek an

Sehr geehrter Herr Dr. Wienberg,

Auch ich danke Ihnen für Ihre Antwort.

Leider muss ich jedoch feststellen, dass nicht nur Ihre ‚Declaración de Barcelona‘, sondern auch mein Brief ihren ‚Zweck‘ weit verfehlt haben. Denn Sie haben mit ihrem eindeutig Partei ergreifenden Manifest in Katalonien eher die Befürworter der Trennung des Landes von Spanien beflügelt, als dazu beizutragen, „eine Abspaltung“ zu verhindern. Und auch ich scheine mit meinem Anliegen, dass Sie sich die ‚Sache‘ vielleicht einmal von katalanischer Seite aus ansehen sollten, keinen Schritt weitergekommen zu sein.

Trotzdem sollten Sie verstehen, dass es keinesfalls die „sechs“, Ihrer Meinung nach „nicht weg zu diskutierenden“ Punkte waren, die Ihnen das Presseecho beschert haben, das zumindest in Katalonien keineswegs positiv war. Erstens, weil es sich keinesfalls um sechs, sondern lediglich um ein Argument handelt, denn 2-6 sind ganz einfach nur mögliche Konsequenzen des vermeintlichen Ausschlusses Kataloniens aus der EU. Zweitens, weil genau dieser Vortrag nichts anderes ist, als das kritiklose Nachplappern der furchterregenden Mähren der Madrider Regierung, die damit seit Monaten fast täglich versucht, die Katalanen zu verunsichern. Und Drittens, weil derartig apokalyptische Wahrsagungen wohl eher in ein Kirmeszelt gehören, als in eine sachliche, politische Diskussion. Schlagzeilen hat Ihre ‚Declaración de Barcelona‘ meiner Meinung nach nur deshalb gemacht, weil Sie sich darauf eingelassen haben, ihre Position als ausländische Führungskräfte wirtschaftlich wichtiger Unternehmen in Katalonien zu missbrauchen, um sich gegen den mehrheitlichen Willen der Katalanen als Unterstützer der Propagandatrommel der spanischen Volkspartei PP zu outen.

Es gibt bekanntlich keine schlimmere Taubheit als die desjenigen, der nicht hören will. Trotzdem kann ich es mir nicht verkneifen, Sie darauf hinzuweisen, dass es für die Situation, vor der Katalonien steht, keinen Präzedenzfall gibt und dass selbst in der EU immer mehr Stimmen laut werden, die davor warnen, 7,5 Millionen Katalanen einfach von heute auf morgen gegen ihren Willen die europäische Staatsbürgerschaft zu nehmen, die auch Vorteile in der Abspaltung sehen und die vor allem den demokratischen Willen des katalanischen Volkes respektiert wissen wollen. Daher erscheint eine einvernehmliche Übergangsregelung, egal welcher Art, sowohl mit der EU wie auch mit Spanien, als ein wesentlich wahrscheinlicheres Szenario am Horizont.

Schade, dass ich Sie nicht überzeugen konnte, ein bischen mehr katalanisch zu denken. Nichts desto trotz wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der Erreichung Ihrer wirtschaftlichen Ziele. Was die politischen betrifft, wünsche ich diesen Erfolg dem mehrheitlichen Willen der Menschen in meiner Wahlheimat.

Mit freundlichen Grüssen,




Thomas Spieker









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Donnerstag, 27. Februar 2014

Die deutsch-europäischen Führungskräfte antworten Thomas Spieker(HC)auf seinen 'offenen Brief'

Sehr geehrter Herr Spieker,

Vielen Dank für Ihr ausführliches Schreiben.
Sie als auch wir Unterzeichner der Declaración de Barcelona, lieben dieses Land und wollen Schaden von ihm wenden.

Von den sieben Aussagen der Declaración de Barcelona, sind die ersten sechs nicht weg zu diskutieren und gerade deshalb haben diese ja in den letzten Tagen auch ein gewaltiges Presseecho gefunden.

Und nun zum letzten Satz. Der Nationalismus hat den Völkern Europas im letzten Jahrhundert nur Krieg, Unglück und Leid gebracht. Der Nationalismus wird daher nach unser festen Überzeugung auch Catalunya nichts Gutes bringen. In der Declaración de Barcelona wollten wir diese historische Perspektive und die Warnung vor der daraus resultierenden Gefahr mit auf nehmen, ohne dass damit die verschiedenen Ausformungen des Nationalismus notwendiger Weise alle auf die gleiche Stufe zu stellen sind.

Es muss ein Weg gefunden werden, die Anliegen Catalunyas ohne eine Abspaltung und im Verhandlungswege zu erreichen. Diesem Zweck dient unsere Declaración de Barcelona.

Mit den besten Grüßen

Dr. Carlos Wienberg



 
 

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Donnerstag, 13. Februar 2014

Mittelmeerkorridor: ein Sieg für Katalonien in Europa




Das Plenum des Europaparlaments hat im Rahmen der neuen Verordnung TEN-T, die das Eisenbahnverkehrsnetzwerk Europas festlegt, den Mittelmeerkorridor darin aufgenommen. Die Zustimmung zeichnete sich mit 546 ja- gegen 104 nein-Stimmen klar ab - es gab 41 Enthaltungen. Man muss hinzufügen, dass dieses Netz nicht als Richtlinie (= gutes Verfahren, das den Mitgliedsstaaten empfohlen wird, wenn sie es umsetzen wollen) erlassen wurde, sondern als europäische Verordnung, die für alle Mitgliedsstaaten obligatorisch ist. Es war ein sehr wichtiger Tag und man kann sagen, dass Katalonien einen wichtigen europäischen Sieg eingefahren hat.
Man muss außerdem bedenken, dass die Regierung von Aznar (die Person, die Präsident Mas fünf Jahre Haft angedroht hat, wenn er den Volksentscheid einberuft) 2003 die EU dazu verpflichten wollte, den Zentralkorridor der aragonesischen Pyrenäen als einzigen Korridor zwischen der iberischen Halbinsel und Europa in die Planung der europäischen Eisenbahnkorridore aufzunehmen. Er schloss den Atlantik- und Mittelmeerkorridor, die jeweils durch das Baskenland und Katalonien verlaufen, wegen der Nähe zum Meer aus.




Mit der neuen Verordnung hat die EU den Plan der ganzen bürokratischen Maschinerie der hohen spanischen Funktionäre verbessert: sie hat den aragonesischen Korridor aus dem vorrangigen Netz gestrichen, trotz des sehr starken Drucks der beiden vorherigen Regierungen Spaniens, und hat den Mittelmeer- und Atlantikkorridor als zwei der neun vorrangigen europäischen Korridore (diese haben Zugang zur Kofinanzierung durch die EU — 20 - 40% der Gesamtkosten) festgelegt.

Diese Revision des europäischen Eisenbahnnetzes, die schließlich den baskischen und katalanischen Korridor in den Plan einschließt, war Basis der Wahlkampagne der Parteien CiU und PNB im Jahre 2009; die Wahlwerbespots dazu wurden im Hafen von Barcelona gedreht.
Die neue europäische Verordnung bestätigt die Arbeitsmethoden der Europäischen Kommission, die primär darauf basiert, Entscheidungen über Investitionen in Eisenbahn hinsichtlich Wertschöpfung und Nutzen für die europäische Wirtschaft zu treffen.

In der Nacht vor der Entscheidung wurde erwähnt, dass dies das erste Mal ist, dass der Hafen von Barcelona Teil des europäischen Eisenbahnnetzwerk ist und dass Aznar ihn ausgeschlossen hatte. Der spanische Abgeordnete Luís de Grandes sagte dazu, dass “alle Regierungen der PP Anhänger des Mittelmeerkorridors waren”. Einige Abgeordnete im Saal haben darüber gelacht: es ist unglaublich, wie die spanischen Politiker ohne Scham die Wahrheit ignorieren — man muss ja nur die offiziellen Karten der EU ansehen! Anstelle zu sagen “gut gemacht, Glückwunsch, und von jetzt an arbeiten wir zusammen” bleibt der spanische politische Diskurs auch im 21. Jahrhundert rhetorisch, hart und dogmatisch.

Hohe Abgeordnete der Europäischen Kommission, wie zum Beispiel Jean Eric Paqué, haben bezüglich der Finanzierung schon ausgesagt, dass sie Anhänger davon sind “europäische Gelder für ein Land von der effektiven Konstruktion eines europäischen Eisenbahnnetzes abhängig zu machen”. Auf die Frage was passiere, wenn ein Staat seine Verpflichtungen ignoriere, sagte er: “Wir sprechen über ein Netz im europäischen Interesse - einige Mittelmeerhäfen müssen auch europäische Häfen sein, denn ohne Eisenbahnverbindung sind die europäischen Mittelmeerhäfen nur lokale Häfen, die der lokalen Industrie und ihrem Hinterland dienen.”

Ramon Tremosa

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Samstag, 8. Februar 2014

Ein unabhängiges Katalonien

Ein Meinungsartikel auf der Webseite der anerkannten amerikanischen Wharton School der University of Pennsylvania stellt in Frage, ob Spanien ohne Katalonien weiterhin Mitglied der Europäischen Union bleiben könne. Spanien wäre ohne Katalonien nicht „dasselbe Land”, erklärt darin Franklin Allen, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Wharton School. Und weist darauf hin, dass die Entscheidung über einen Erhalt des aktuellen Status Spaniens innerhalb der Europäischen Union ohne die Gebiete Kataloniens zu einer heiklen juristischen Angelegenheit werden könnte.
Diese Ausführungen sind in einem umfangreichen Artikel im Themenbereich Staatspolitik mit dem Titel „Is Secession the Answer? The Case of Catalonia, Flanders and Scotland” zu finden. In dem Artikel wird erläutert, dass sowohl Katalonien als auch Flandern und Schottland ihre eigenen Sprachen besitzen, einen höheren Industrialisierungsstand als andere Regionen in ihren jeweiligen Staaten erreicht  haben und bereits über eine beachtliche Selbstverwaltung verfügen, um ihre inneren Angelegenheiten selbst zu regeln, was nach Auffassung von Mauro Guillén, Professor für Verwaltung an der gleichen Einrichtung, erklärt, warum viele der Meinung sind, dass der Übergang zu einer vollkommenen Unabhängigkeit dieser Gebiete relativ einfach wäre.

In Bezug auf Katalonien wird zudem erläutert, dass die Wirtschaftskrise den Unwillen der Katalanen verstärkt habe, da Katalonien um die 8 bis 9 Prozent seines BIP an andere autonome Gemeinschaften abgibt. Gleichzeitig nehme Katalonien zweifelsfrei eine führende Position im weltweiten Wettbewerb ein: 2012 erreichten die katalanischen Exporte ein Rekordniveau von 58,2 Milliarden Euro, 15,38 Prozent mehr als vor Beginn der Wirtschaftskrise von 2008-2009. Nach Angaben des Institut d’Estadística de la Generalitat de Catalunya (Statistisches Amt der katalanischen Regierung) sind im Jahr 2012 die katalanischen Exporte um 5 Prozent gestiegen, mehr als die anderer, größerer Exportländer der Eurozone wie Deutschland, Frankreich, die Niederlande oder Finnland.
Allerdings weist der dänische Professor Jakob Funk Kierkegaard, Spezialist in europäischen Volkswirtschaften, darauf hin, dass Katalonien sich in einer Rezession befindet mit einer weiterhin sehr hohen Arbeitslosenquote, die nur leicht von 24,53 Prozent im März 2013 auf 23,85 Prozent im Juni desselben Jahres gesunken ist. Katalonien müsse im Falle seiner Unabhängigkeit hart arbeiten, um aus dem Tal zu kommen und mit einem möglichen Veto Spaniens gegen seinen Eintritt in die Eurozone rechnen.
In dem Artikel wird hervorgehoben, dass Madrid statt einen starken inneren Zusammenhalt zu fördern, eine Welle von Drohungen und antikatalanischen Gefühlen in Gang gesetzt habe und Rajoy „alles andere als ein inspirierender Führer” sei, sondern nur ein Politiker, der nicht die tatsächliche linguistische Vielfältigkeit der Bevölkerung Spaniens zu schätzen wisse.

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Freitag, 10. Januar 2014

Barcelona gedenkt der Namen der von den Spaniern 1714 ausgetriebenen Familien






Der Künstler Frederic Perers hat die Namen der von den spanischen Besatzungstruppen 1714 ausgetriebenen Familien aus den Balkonen rund um den Born-Markt aushängen lassen. Vor 300 Jahren sind die französische und die spanische regulären Armeen mit Gewalt in die katalanische Hauptstadt eingedrungen. Die Stadt hatte eine der längsten Belagerungen der Geschichte modernen Europas mit Zivilkräften standgehalten. Nach der Besetzung der Stadt am 11. September 1714 fand eine grausame Unterdrückung statt. Nebst den Ermordungen und Enteignungen wurden zudem die Familien ausgetrieben, die den katalanischen Widerstand angeführt hatten.


Unter anderen Unterdrückungsakten wurden 1714 Tausend Häuser niedergerissen, und somit 17% der Oberfläche der damaligen Stadt Barcelona vernichtet. Die Eigentümer wurden dazu gezwungen, ihre eigenen Wohnungen niederzureiβen. Etwa 5000 Bewohner wurden ausgetrieben. Eine groβe Anzahl der katalanischen Widerstandskämpfer flohen nach Österreich.


Die Ehrung, zu der die Bewohner freiwillig beigetragen haben, wird bis nach diesjährigen Diada bzw. bis am 11. September zu sehen sein. Die Balkone rund um den Markt werden bis dann mit siebzig mit den gedruckten Familiennamen Leinwänden geschmückt, die zusammen ein senkrechtes mehrere Fassaden groβes Mosaik ausmachen. Nur zeitlich getrennt, Perers bat die jetzigen Bewohner um Solidarität auf symbolischer Weise mit diejenigen, die den Niederschlag im Stadtviertel erlitten, und dies mit einem nüchternen, gelassenen und ruhigen Gedenken weder mit Bezeichnungen noch Weisungen. Das Projekt suchte, dass die jetzigen Bewohner die Familiennamen ins Stadtviertel Ribera zurückkehren lieβen, und dies öffentlich aus den Balkonen zeigten.

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Donnerstag, 9. Januar 2014

Viquipèdia auf Katalanisch schlägt alle Rekorde






Viquipèdia, die katalanische Version von Wikipedia, schlägt im zweiten Monat in Folge den Rekord der Besucheranzahl. Ignasi Fortuny vom Periódico de Catalunya zählt die vom Amical Wikimedia gesammelten Daten auf: „Im September erreichte die Anzahl der besuchten Seiten 33,7 Millionen, eine Zahl, die sich im vergangenen Oktober auf 45,9 Millionen Besucher erhöht hat.“
Darüber hinaus, auf Global Voices erklärt Violeta Camarasa, dass während des Kongresses „Open Science“ an der Vrije Universiteit Brussel am 24. Oktober 2013 der Wikipediagründer Jimmy Wales das Erfolgsbeispiel Viquipèdia hervorhob. In einem Video auf Youtube kann man derzeit sehen, wie Wales die Aufgabe von Viquipèdia lobt.

Auf der entsprechenden Webseite gibt es eine Abschrift seiner Worte geschrieben von Arnau Duran, Editor von Viquipèdia: “…in some of our small language Wikipedias, we have very active communities, and there’s maybe only a few people there, but they are very passionate about their mother tongue, and they really want to do the work, and so they work really hard. If we have a look some of the larger minor languages of Europe, like Catalan is a good example. Catalan Wikipedia is far larger than you would have guessed from the number of people who are speaking Catalan. And it is because the Catalan people are quite passionate about their language, which has been historically under threat.”

Die Fakultät für Humanität und Künste sowie der Lehrstuhl für Multilingualismus von der Universidad Oberta de Catalunya beglückwünschen die große Aufgabe aller, die zusammenarbeiten, um die hohe Qualität und Abdeckung (mit mehr als 400.000 Einträgen) von Viquipèdia auf Katalanisch zu pflegen.

Jetzt heißt es, sie auch mehr und mehr zu nutzen. In diesem Sinne werden Kritiken laut, die bestätigen wollen, dass die Mehrheit der Professionellen der katalanischen Kommunikationsmedien eher andere Versionen in anderen Sprachen konsultierten als in Katalanisch.

Wikimedia  entsprechend ist Katalanisch weltweit auf Platz 85 bezüglich der Anzahl der Sprechenden, auf Platz 37 in Bezug auf die relative Anzahl von Editoren und sogar auf Platz 17 weltweit betreffend der Anzahl der Artikel. In Hinsicht auf die Anfragen pro Stunde befindet sich Viquipèdia an 30. Stelle. Diese letzte Zahl können wir gemeinsam verbessern! Wir vertrauen, dass alle links dieses Artikels das ihre dazu beitragen.



Miquel Strubell i Trueta


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Samstag, 28. Dezember 2013

Der CCN hält in einer Studie fest, dass Spanien nicht über die notwendige Kapazität verfügt um den Weg aus der Krise zu finden und sich so einem wirtschaftlichen Kollaps entgegensteuert



“Für Spanien gibt es kein Licht am Ende des Tunnels”. Dies behauptet Joseph Stieglitz, Träger des Nobelpreises für Wirtschaft, und dies bestätigt nun auch eine Studie des Cercle Català de Negocis (CCN). Letzterer hat die makroökonomischen Daten Spaniens analysiert und dazu sämtliche Prognosen, die renommierte internationale Organisationen angefertigt haben in Betracht gezogen. Die Aussichten sind besorgniserregend: Allein in diesem Jahr muss Spanien Schulden, die 20% seines nationalen BIP betragen, begleichen; eine Zahl, welche, Prognosen der Europäischen Kommission zufolge, im Jahre 2020 bis auf 114% des BIP und im Jahre 2030 sogar bis auf 130% anwachsen könnte. Des Weiteren verschlucken die immer weiter anwachsenden Schulden sämtliche Investitionen des Staates, der zusehen muss, wie er die entstehenden finanziellen Ausgaben begleicht.
Was hinzu kommt: Die spanische Gesellschaft altert rapide. Im Jahre 2021 werden 9,3 Millionen Menschen in Spanien älter als 65 Jahre sein. Dies wird dazu führen, dass die Rentenausgaben im Jahre 2050 zwischen 20% und 30% des BIP darstellen werden (z.Z. sind dies ca. 10%).
Ein verschuldeter, von Zinsen und Rentenausgaben erdrückter Staat wird das für eine produktive Wirtschaft erforderliche Geld nicht länger aufbringen können und, aus diesem Grunde, wird die Arbeitslosenquote stagnieren oder gar weiter steigen. Es ist ein wahrer Teufelskreis.
Welche sind nun die Prognosen für die beiden kommenden Jahrzehnte? Ein kontinuierlicher Rückgang des Pro-Kopf-Einkommens, welches im Jahre 2020 fünf Prozentpunkte niedriger sein wird als 2005 und in etwa zwanzig Jahren sogar 16 Prozentpunkte niedriger; ein Zuwachs der Abwanderung (die zweite Welle in drei Generationen), vor allem der jungen Bevölkerung; sowie eine Erhöhung der Steuerlast für die arbeitende Bevölkerung. Gab es 2010 noch vier Erwerbstätige pro Rentner, wird dieses Verhältnis in vierzig Jahren 2:1 betragen. Die Schlussfolgerung ist einleuchtend: Der Staat steuert einem weiteren Bankrott entgegen, dem fünfundzwanzigsten seiner Geschichte.
Katalonien ist als unabhängiger Staat hingegen wirtschaftlich vollkommen lebensfähig. Dies bestätigen zahlreiche Studien sowie internationale Experten. Einige Daten, die dies veranschaulichen: 2011 wies Katalonien beispielsweise eine positive Zahlungsbilanz von 3,9% auf, während Spanien ein negatives Verhältnis von 4,2% erzielte. Katalonien wäre zudem der viertreichste Staat in Europa nach Pro-Kopf-Einkommen.
Der CCN geht weiter, und hält fest, dass die Unabhängigkeit Kataloniens wie ein Antriebsmotor für Spanien wirken würde. Dem CCN zufolge koexistieren im spanischen Staat z.Z. zwei wirtschaftliche Modelle, die nicht kompatibel sind: einerseits das katalanische Modell, welches auf kleinen und mittelständigen Unternehmen mit großer Exportkapazität und Innovationskraft fußt, und, andererseits, das spanische Modell, welches sich auf große Unternehmen stützt, die in regulierten Sektoren arbeiten und auf Lateinamerika fokussiert sind.
Der CCN hält fest, dass Spanien ohne Katalonien seine wirtschaftliche Strategie vollends entfalten könnte, während ein unabhängiges Katalonien seine Infrastruktur mit eigenen Mitteln aufbauen und so seine Wirtschaft weiter internationalisieren könnte.
Für den CCN steht fest, dass Spanien ohne Katalonien auf wirtschaftlicher Ebene nicht länger politisch motiviert handeln würde (momentan immer in Konflikt mit dem autonomen Katalonien) und sich so auf die Reaktivierung seiner Wirtschaft konzentrieren könnte.

Für weitere Informationen, kontaktieren Sie bitte:
Die Website des Cercle Català de Negocis
Twitter des CCN:
@CCatalaNegocis

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Sonntag, 3. November 2013

Der CCN hält in einer Studie fest, dass Spanien nicht über die notwendige Kapazität verfügt um den Weg aus der Krise zu finden und sich so einem wirtschaftlichen Kollaps entgegensteuert


“Für Spanien gibt es kein Licht am Ende des Tunnels”. Dies behauptet Joseph Stieglitz, Träger des Nobelpreises für Wirtschaft, und dies bestätigt nun auch eine Studie des Cercle Català de Negocis (CCN). Letzterer hat die makroökonomischen Daten Spaniens analysiert und dazu sämtliche Prognosen, die renommierte internationale Organisationen angefertigt haben in Betracht gezogen. Die Aussichten sind besorgniserregend: Allein in diesem Jahr muss Spanien Schulden, die 20% seines nationalen BIP betragen, begleichen; eine Zahl, welche, Prognosen der Europäischen Kommission zufolge, im Jahre 2020 bis auf 114% des BIP und im Jahre 2030 sogar bis auf 130% anwachsen könnte. Des Weiteren verschlucken die immer weiter anwachsenden Schulden sämtliche Investitionen des Staates, der zusehen muss, wie er die entstehenden finanziellen Ausgaben begleicht.

Was hinzu kommt: Die spanische Gesellschaft altert rapide. Im Jahre 2021 werden 9,3 Millionen Menschen in Spanien älter als 65 Jahre sein. Dies wird dazu führen, dass die Rentenausgaben im Jahre 2050 zwischen 20% und 30% des BIP darstellen werden (z.Z. sind dies ca. 10%).

Ein verschuldeter, von Zinsen und Rentenausgaben erdrückter Staat wird das für eine produktive Wirtschaft erforderliche Geld nicht länger aufbringen können und, aus diesem Grunde, wird die Arbeitslosenquote stagnieren oder gar weiter steigen. Es ist ein wahrer Teufelskreis.

Welche sind nun die Prognosen für die beiden kommenden Jahrzehnte? Ein kontinuierlicher Rückgang des Pro-Kopf-Einkommens, welches im Jahre 2020 fünf Prozentpunkte niedriger sein wird als 2005 und in etwa zwanzig Jahren sogar 16 Prozentpunkte niedriger; ein Zuwachs der Abwanderung (die zweite Welle in drei Generationen), vor allem der jungen Bevölkerung; sowie eine Erhöhung der Steuerlast für die arbeitende Bevölkerung. Gab es 2010 noch vier Erwerbstätige pro Rentner, wird dieses Verhältnis in vierzig Jahren 2:1 betragen. Die Schlussfolgerung ist einleuchtend: Der Staat steuert einem weiteren Bankrott entgegen, dem fünfundzwanzigsten seiner Geschichte.

Katalonien ist als unabhängiger Staat hingegen wirtschaftlich vollkommen lebensfähig. Dies bestätigen zahlreiche Studien sowie internationale Experten. Einige Daten, die dies veranschaulichen: 2011 wies Katalonien beispielsweise eine positive Zahlungsbilanz von 3,9% auf, während Spanien ein negatives Verhältnis von 4,2% erzielte. Katalonien wäre zudem der viertreichste Staat in Europa nach Pro-Kopf-Einkommen.

Der CCN geht weiter, und hält fest, dass die Unabhängigkeit Kataloniens wie ein Antriebsmotor für Spanien wirken würde. Dem CCN zufolge koexistieren im spanischen Staat z.Z. zwei wirtschaftliche Modelle, die nicht kompatibel sind: einerseits das katalanische Modell, welches auf kleinen und mittelständigen Unternehmen mit großer Exportkapazität und Innovationskraft fußt, und, andererseits, das spanische Modell, welches sich auf große Unternehmen stützt, die in regulierten Sektoren arbeiten und auf Lateinamerika fokussiert sind.

Der CCN hält fest, dass Spanien ohne Katalonien seine wirtschaftliche Strategie vollends entfalten könnte, während ein unabhängiges Katalonien seine Infrastruktur mit eigenen Mitteln aufbauen und so seine Wirtschaft weiter internationalisieren könnte.

Für den CCN steht fest, dass Spanien ohne Katalonien auf wirtschaftlicher Ebene nicht länger politisch motiviert handeln würde (momentan immer in Konflikt mit dem autonomen Katalonien) und sich so auf die Reaktivierung seiner Wirtschaft konzentrieren könnte.

Für weitere Informationen:

Für weitere Informationen, kontaktieren Sie bitte:

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Donnerstag, 19. September 2013

Interview mit Help Catalonia in der Handelszeitung

Ist ein von Spanien autonomes Katalonien überhaupt überlebensfähig? Der Ökonom und Unabhängigkeitsbefürworter Àlex Furest (Mitglied der katalonischen Unabhängigkeitsbewegung Help Catalonia) sagt klar: Ja. Die katalanische Wirtschaft werde gar richtig aufblühen.




Millionen Menschen demonstrierten gestern für die Unabhängigkeit Kataloniens. Warum gerade jetzt?


Àlex Furest*: Katalonien wartet seit dem Ende der Diktatur vor 35 Jahren, um aus Spanien einen modernen, angenehmen Staat zu machen in dem die Katalanen voll respektiert leben können - aus kultureller, sprachlicher und politischer Sicht. Darauf arbeiten die katalanischen Politiker seit 150 Jahren hin, seit der ersten Republik 1873. Doch es blieb immer ein Unverständnis von Seiten der Spanier. Das 2006 ausgehandelte Autonomiestatut wurde dann im spanischen Parlament und dann vom Verfassungsgericht verwässert. Die Folge ist ein wachsender Frust bei den Katalanen. Die Wirtschaftskrise verstärkte dieses Gefühl.



Wie stark wurde die Provinz durch die spanische Krise getroffen?


Die Folgen sind schmerzhaft. Es gingen viele Stellen verloren und viele Unternehmen gingen pleite. Die Budgetkürzungen in Madrid führten zu einer Finanzierungslücke bei der katalanischen Regierung. Daher musste sie bei Gesundheit und Bildung sparen. Das führt zu sozialen Spannungen.



Machen gewisse Leute dafür auch die Zentralregierung in Madrid verantwortlich?

Es gibt einen Konsens, dass die Zentralregierung in Madrid die Krise in Katalonien verschlimmerte. Hinzu kommt, dass gemäss Berechnungen unserer Regierung seit 1986 rund 250 Milliarden Euro nach Madrid flossen - ohne grossen Gegenwert. Damit wurden unter anderem völlig überrissene Infrastrukturprojekte finanziert, wie etwa Hochgeschwindigkeits-Bahnlinien an Orten ohne wirkliche Nachfrage herrscht. Da gibt es mitunter Bahnhöfe, bei denen im Schnitt zwei Personen pro Monat ein- und aussteigen. Oder es wurden 44 Flughäfen für eine Bevölkerung von 47 Millionen gebaut. Deutschland hat 17 Airports für 85 Millionen. Oder das riesige spanische Autobahnnetz, auf dem vielerorts fast keine Autos unterwegs sind - das ist Irsinn!



Ein grosser Markt für katalonische Firmen ist jedoch Spanien. Risikieren Sie nicht, Aufträge zu verlieren?


Es gibt eine seriöse Studie von zwei katalanischen Ökonomen dazu. Sie fanden heraus, dass die Folgen eines allfälligen Boykotts Spaniens durch das Wegfallen der Überweisungen nach Madrid aufgewogen würden. Man muss zudem sehen, dass sich solche Boykotte normalerweise auf den Konsum auswirken und nicht den industriellen Handel. Es würde also nicht zu einer Katastrophe kommen, wie viele Befürworter des Verbleibs bei Spanien postulieren.



Was würde denn ein unabhängiges Katalonien wirtschaftlich bringen?


Katalonien hat ein Bruttoinlandprodukt von 200 Milliarden Euro. Das ist nicht wenig. Wenn wir die Überweisungen nach Madrid stoppen, dann können wir in die Infrastruktur investieren und zu einem Land wie Dänemark und Österreich werden.



Aber ist die Bewegung nicht ein Stück weit egoistisch? Am Ende profitierten Spanien und Katalonien doch gegenseitig voneinander.


Katalonien wurde seit jeher ausgenutzt. Das geht ganz lange zurück. Die Regierung in Barcelona muss seit Jahrhunderten hohe Steuern nach Madrid abliefern. Doch einen richtigen Gegenwert erhielt sie nie. Das Geld versickerte in unrentablen Investitionen. Das sieht man schon daran, dass trotz Finanzausgleich Regionen wie Andalusien oder die Extremadura noch heute eine Arbeitslosigkeit von 35 bis 40 Prozent aufweisen. Die Folge für die Katalanen: Die katalanische Regierung hat zuwenig Geld und viele Bürger müssen ihre Gesundheitsversorgung und Bildung selber zahlen.


*Àlex Furest ist Ökonom und Mitglied der katalonischen Unabhängigkeitsbewegung Help Catalonia.

Quelle: http://www.handelszeitung.ch/politik/madrid-verschlimmerte-die-krise-katalonien-495583

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Montag, 2. September 2013

Arbeitslosenquote in einem unabhängigen Katalonien



1. 1. Momentane Arbeitslosenquote in Katalonien und Spanien
Die spanische Wirtschaft hat seit jeher eine sehr hohe Arbeitslosenquote (durchschnittlich 15%). Damit ist Spanien das Land in Europa mit der höchsten Arbeitslosenquote, weit vor den meisten anderen europäischen Ländern. Spanien hält zudem den Rekord für die höchste Jugendarbeitslosenquote. Innerhalb des spanischen Staates sind es die Autonomen Regionen mit einer finanziellen Sonderbehandlung, welche die niedrigsten Arbeitslosenraten aufweisen.
Die Arbeitslosigkeit in Katalonien ist mehr oder weniger dem gleichen Trend gefolgt wie auch die Arbeitslosigkeit in Spanien, wenn auch auf einem konstant niedrigeren Niveau. Dennoch hat sich die katalanische Quote der spanischen immer mehr angenähert, so dass der Unterschied mittlerweile gering ist: Gab es Ende der neunziger Jahre noch einen Unterschied von vier Prozentpunkten, liegt der Unterschied seit 2001 bei etwa zwei Prozent. Dass dieser Unterschied dahinschwindet liegt vor allem an der wirtschaftlichen Plünderung und dem Mangel an normativem Vermögen, das katalanische Wirtschaftsmodell, welches dem des zentralistischen Spaniens diametral entgegensteht, zu optimieren. Die Folge ist eine Arbeitslosenrate in Katalonien, die höher ist als in Ländern wie Montenegro, Palästina (Westjordanien), Kroatien oder Georgien. Die Arbeitslosigkeit in kürzlich unabhängig gewordenen Staaten in Europa ist hingegen wesentlich geringer.
Die Jugendarbeitslosigkeit in Katalonien beläuft sich auf 43%: Unsere Kinder sind so zu einer harten und ungerechten Zukunft verdammt. Dieser Mangel an Arbeitsplätzen treibt viele Katalanen und auch Spanier zur Auswanderung.
2. 2. Berechnung der Arbeitslosenquote in einem unabhängigen Katalonien
Die Arbeitslosenquote in einem unabhängigen Katalonien hat man mittels drei verschiedener Methoden berechnet:
2.1. Statistisches Modell
Mittels der statistischen Analyse basierend auf Daten der OECD hat man festgestellt, welche Variablen den größten Einfluss auf die Arbeitslosenquote in einem Land haben. Indem man statistische Methoden auf diese Variablen angewandt hat, hat man ein statistisches Modell erstellt. Im Falle eines unabhängigen Kataloniens würde die Arbeitslosenquote demnach 6 bis 7 Prozent betragen.
2.2. Mathematisches Modell
Es besteht ein direktes mathematisches Verhältnis zwischen den Staatsausgaben und dem BIP eines Landes. In einem unabhängigen Katalonien würde das Ausbleiben der finanziellen Plünderung höhere Staatsausgaben ermöglichen. Wendet man nun die Methode der autoregressiven Werte nach Pons und Tremosa (2002) in diesem Fall an, erhält man die Arbeitslosenquote in einem unabhängigen Katalonien. Dieser Methode zufolge wächst das BIP um 0,52% und die Beschäftigung um 0,29% für jeden in die öffentliche Wirtschaft investierten Prozentpunkt des BIP. Dieser Effekt nimmt über die Zeit hinweg ab und verteilt sich über fünf Jahre. Würde man daher beispielsweise den jetzigen fiskalen Defizit in die öffentliche Wirtschaft Kataloniens investieren, könnte man 400.000 Arbeitsplätze schaffen und die Arbeitslosenquote würde von 22% auf 12% sinken.
2.3. Vergleichendes Modell
Schließlich kann man die hypothetische Arbeitslosenrate eines unabhängigen Kataloniens auch aus der Arbeitslosenquote in Ländern mit ähnlichen Dimensionen ableiten. Die Mehrheit der Länder mit einem ähnlichen Pro-Kopf-Einkommen haben eine Arbeitslosenquote von weniger als 10%.
3. 3. Schlussfolgerungen
Vergleicht man nun die drei Modelle zur Einschätzung der Arbeitslosigkeit in einem unabhängigen Katalonien kann man festhalten, dass die Arbeitslosenquote vermutlich um 12% betragen und der in anderen europäischen Ländern ähneln würde.
Eine abschließende Überlegung: 350.000 Arbeitslosen in Katalonien einen würdigen Lohn auszuzahlen (ca. 30.000 € Brutto/Jahr) würde etwa 10,5 Milliarden Euro kosten, 60% also der 17,6 Milliarden Euro des fiskalen Defizits aus dem Jahre 2010.


CCN


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