Mittwoch, 20. Januar 2016

Arme Sezessionisten?

Leider werde ich den Eindruck nicht los, dass Herr Krieger diesen Artikel einfach nur bei einer der Regierungstreuen, ja sogar -hörigen Tageszeitungen wie 'La Razón', 'ABC' oder 'El Mundo' abgeschrieben hat. Dem widerspricht jedoch seine Behauptung, dass "der neue Wirtschaftsminister Oriol Junqueras ... auch "Außenminister" Kataloniens ist", denn in Madrid weiß man, dass der Mann, der vom neuen katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont mit der Betreuung der auswärtigen Angelegenheiten beauftragt wurde, tatsächlich Raúl Romeva heißt, der die Koalitionskandidatur 'Junts pel Sí' bei den Regionalwahlen vom 27. September anführte und auch gewann.

Wen kann es bei einer derart fehlerhaften Berichterstattung da noch wundern, dass der Autor den Madrider Vortrag, dass Katalonien ohne staatliche Unterstützung seine Rechnungen nicht bezahlen kann, ganz einfach 1:1 übernimmt, ohne den katalanischen Standpunkt zu dieser, ebenso falschen, Behauptung mit in seinen Bericht aufzunehmen. Seit Jahrzehnten bedient sich der spanische Staat in Katalonien mit seinen Steuern und lässt die Region am langen Arm verhungern. Während z.B. in Deutschland die bayerische Regionalregierung schon wegen einem Solidaritätsabschlag von 2% auf die Barrikaden geht, ist in Katalonien die Schlucht zwischen dem, was der Staat sich nimmt und dem, was er zurückgibt, jährlich zwischen 8% und 12% tief. Und leider werden mit diesem Geld nicht etwa die ärmeren Menschen im Land unterstützt, nein. Damit werden irgendwelche irrationale Wahnsinnsprojekte finanziert (Flughäfen, die niemand braucht, Hochgeschwindigkeitstrassen in die Wüste, u.s.w.), die keinen anderen Sinn haben, als den Madrider Regierungsbeamten die Wiederwahl zu garantieren.

Herzlichen Glückwunsch! 

Thomas Spieker

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Samstag, 26. September 2015

Katalonien bricht mit Spanien





Ursprünglich hatte sich das neue Spanien nach dem Tod Francos die deutsche und die österreichische Verfassung zum Modell nehmen wollen, um das zentralistische, von Madrid aus regierte Königreich zu demokratisieren und zu dezentralisieren. Im Prinzip hätte Spanien in vier Bundesländer aufgeteilt werden müssen, um das Grundproblem Spaniens zu lösen, wie nämlich ein respektvolles Zusammenleben von Katalanen, Basken, Galiciern und Spaniern oder Kastiliern (mit Einschluss der Andalusier) in einem einzigen Staat möglich sei.


Der erste gravierende Fehler war, dass man die deutsche Bundesländerlösung falsch adaptierte und glaubte, statt vier über Jahrhunderte historisch gewachsene Länderteile zu ihrem Recht kommen zu lassen, ein Puzzle auf der Basis der Provinzeneinteilung von 1833 einrichten zu sollen. Es kam zu dem berühmten „café para todos“: jedem kleinen Territorium ein bisschen sogenannte Autonomie. Der Dezentralisierungsgedanke (der die Alliierten bei der Bundesländereinteilung geleitet hatte) wurde damit ins Gegenteil verkehrt. Das französische Modell der Departamentalisierung, das die jakobinische Vorherrschaft der Hauptstadt Madrid zementierte, war denkbar ungeeignet, das katalanische, baskische und galicische Problem zu lösen.

Der zweite gravierende Fehler war, dass der erste demokratische Entwurf der spanischen Verfassung unter der drohenden Präsenz des nachfranquistischen Militärs und eines eventuellen Militärputsches (wie er denn auch am 23. Februar 1981 von Tejero tatsächlich versucht wurde) sofort wieder zentralistisch zurückgefahren wurde und die vorgesehenen Kompetenzübertragungen („transferencias“) von der Zentralregierung auf die „Autonomien“ nur halbherzig in die Verfassung aufgenommen wurden und auf jeden Fall so unscharf formuliert waren, dass einer Rückkehr zum Zentralismus weiter Auslegungsspielraum offen blieb.

Die demokratische Aufbruchsstimmung unter der ersten sozialistischen spanischen Regierung hatte die Katalanen veranlasst, bei einem Neuaufbau eines demokratischen spanischen Staates kräftig mitzuwirken. Doch seit der Jahrtausendwende wurde, zunächst nur Einzelnen, bald aber auch einem größeren Teil der Bevölkerung und jetzt inzwischen der Mehrheit der Landesbevölkerung klar, dass Katalonien in eine Falle getappt ist. Dass sich der Weg eines Zusammengehens mit dem immer noch im tiefsten zentralistisch fühlenden Spanien als Sackgasse erweist. In letzter Zeit bricht die vehemente antikatalanische Einstellung der Mehrheit der Spanier derartig unverblümt zu tage, dass die Mehrheit der Katalanen, einschließlich der eingewanderten Spanier, überzeugt ist, dass Spanien an einem multikulturellen Staat nicht interessiert ist.

Es stellt sich für jeden immer deutlicher heraus, das ein Großteil des spanischen Establishments von jeher gegen die Dezentralisierung gewesen ist und nur für eine Weile stille gehalten hatte. Mit Macht und in Gestalt der rechtslastigen sogenannten „Volks“partei, die am Regierungssteuer ist, versucht Spanien das Ruder zurückzuwerfen. Man hat ein Gesetz verabschiedet, das ein Referendum, das die Volksmeinung über die politische Zukunft demokratisch abfragt, unter Strafe stellt. Das spanische Verfassungsgericht ist politisch besetzt und entscheidet parteiisch und hat dadurch alles Prestige verspielt. Die Entscheidungen dieses Verfassungsgerichts sind sogar schon als rassistisch kritisiert worden, weil einem spanischen Kind in der Schule mehr Rechte als einem katalanischen Kind zugesprochen wurden. Die Regierung kann jedenfalls damit rechnen, dass alle antikatalanischen und zentralisierenden Gesetze bei diesem Gericht durchgehen und dass alle Versuche Kataloniens, die spanische Verfassung im Sinne ihrer ersten Verfasser anzuwenden, abgeschmettert werden.

Gesetze, die das spanische Parlament mit absoluter Mehrheit laufend beschließt, schnüren Katalonien immer mehr den Hals zu. Besonders an die katalanische Sprache und das katalanische Schulsystem wird Hand angelegt. Der spanische Erziehungsminister (den es wie im deutschen Bundesstaat garnicht geben dürfte) regiert in die Kompetenzen Kataloniens hinein und hat erklärt, sein Ziel sei es, die katalanischen Schüler wieder zu „spanisieren“. (Es klingt nach Francos Dekreten, als er in Katalonien einmarschierte.) Er tritt damit (und mit voller Rückendeckung durch die spanische Regierung) in ein in Katalonien besonders heikles Fettnäpfchen. Die Hasstiraden von Spaniern gegen Katalanen im Internet nehmen kein Ende und selbst spanische Politiker geben Äußerungen gegen Katalonien von sich, die sich weit unter einem europäschen Mindeststandard von politischem Niveau bewegen.

Was in spanischen Zeitungen täglich über Katalonien geschrieben wird, ist hanebüchen. Eine Gruppe junger Spanier, die sich mit zum Hitlergruß erhobenen Armen abbilden lassen, will alle Balkone, die die katalanische Unabhängigkeitsflagge tragen, fotografieren und mit Adressen auflisten, damit die Guardia Civil nach dem ersehnten Umschwung in Spanien sogleich weiß, wen sie verhaften muss. Viele Katalanen sehen keinen Sinn mehr daran, mit solchen Nachbarn in einem Staat zusammenzuleben. Eine junge Andalusierin, Mel Dominguez, die in Katalonien wohnt, hat ein Video bei youtube eingestellt („A mi me hablas en español“), in dem sie gegen die blinde Katalanophobie der Spanier (z. B. auch die ihres Vaters) protestiert. Das Video hatte in 10 Tagen zwei Millionen Besucher. Daraus kann man entnehmen, welche Unruhe und Protest der spanische Hass hervorruft.


Finanzausgleich: statt Solidarität Ausbeutung

Was aber das Fass zum Überlaufen gebracht hat, ist die staatliche Umverteilung der Steuereinnahmen auf die einzelnen „autonomen“ Gemeinschaften Spaniens. Nach jahrelangem Druck hatten das Finanz- und Wirtschaftsministerium endlich die Zahlen bekanntgegeben, wie das Steueraufkommen in Spanien verteilt wird. Dabei stellt sich klar heraus, dass Katalonien seit Jahrzehnten systematisch um seinen wirtschafltichen Ertrag geprellt wird, und dass Spanien seit Jahrzehnten auf Kosten Kataloniens lebt. Die Katalanen haben es jetzt schwarz auf weiß, dass 9 bis 10 % ihres Sozialprodukts statt in ihr Land und in ihre Infrastrukturen investiert zu werden, dazu dienen, um in Spanien Flugplätze zu bauen, die dann keine Fluggesellschaft anfliegt. 39 Flughäfen in Spanien sind im Defizit – mehr als Deutschland überhaupt Flugplätze hat. Schnellbahnlinien wurden radial von Madrid aus ins ganze Land gebaut, um es an seine Hauptstadt zu binden. Doch einzelne Strecken mussten schon wieder stillgelegt werden, weil nur noch 5 Passagiere pro Zug das Angebot nutzten. Spanien hat das größte Schnellbahnbauprojekt Europas. Nur die Linien, die Katalonien benötigt, sind um ein Jahrzehnt verzögert worden.

Der Bau der Mittelmeerschnelltransporttangente Gibraltar-Alacant-València-Barcelona-Perpinyà und weiter nach Lyon-Frankfurt-Schweden wird von Madrid boykottiert, weil Europa aus Kostengründen abgelehnt hat, sie über Madrid zu leiten (Madrid liegt eben nicht am Mittelmeer!). Autobahnen werden in Spanien außerhalb Kataloniens ohne Maut benutzt, weil aus Steuergeldern gebaut. In Katalonien wird jeden Tag den Benutzern das Geld aus der Tasche gezogen. Katalanen zahlen also mit ihren Steuern, dass die spanischen Autobahnen gratis befahren werden können, werden aber im eigenen Lande für jeden Kilometer zur Kasse gebeten.

Zu der Geldverschwendung an sich kommt die Tatsache hinzu, dass Katalonien in eine wirtschaftliche Notlage gebracht wird, die von Madrid verschuldet ist. Katalonien wäre restlos schuldenfrei, wenn es über sein eigenes Geld verfügen könnte. Die gravierenden Einsparungen im katalanischen Gesundheitswesen, die jeder Katalane am eigenen Leib spürt, wären unnötig. Ebenso unnötig wie die Gehaltskürzungen in allen Bereichen. Übrigens ist das Baskenland tatsächlich schuldenfrei, weil es seine Steuergelder selbst eintreibt, wie es Katalonien auch tun möchte. Musste die ETA existieren, damit das Baskenland besser gestellt wurde, als Katalonien? Es ist offensichtlich: Katalonien hat sich bei der Festlegung der Staatsstrukturen nach dem Ende der Diktatur von Madrid über den Tisch ziehen lassen.

Die Schulden, die Madrid allein in den letzten zwei Jahren in Bezug auf gesetzlich und haushaltsmäßig festgelegte Verpflichtungen gegenüber Katalonien aufgehäuft hat, gehen schon wieder in die Milliarden – abgesehen von den 18 Milliarden, die Madrid jährlich aus dem katalanischen Steueraufkommen in politisch genehme Regionen Spaniens umleitet und umverteilt. Von einem solidarischen Finanzausgleich nach bundesrepublikanischem Muster kann hier nicht mehr die Rede sein, da es sich um zehnfach höhere Summen handelt, was in Deutschland das Solidaritätssystem zum Platzen gebracht hätte.

Aus alledem geht hervor: Spanien hat nicht das geringste Interesse, am Verhältnis mit Katalonien etwas zu ändern. Die katalanische Wirtschaftsleistung soll weiterhin dazu dienen, die Finanzen Spaniens zu retten und die wirtschaftlichen Fehlentscheidungen zu decken. Dies kann man wirtschaftstechnisch nur noch so bezeichnen: Katalonien soll weiterhin als Kolonie für Spanien dienen.


Katalonien steht mit dem Rücken zur Wand

Katalonien hat keinerlei auf spanische Gesetze gestützte Hebel in der Hand, um diese Situation zu ändern. Ob die Europäische Union in diese Ausbeutungssituation einzugreifen bereit ist, ist mehr als ungewiss. Denn es ist unsicher, ob die EU für ein gesund wirtschaftendes Katalonien als möglichem mediterranen Musterstaat ein dann marodes Spanien in Kauf nehmen würde. Ob die internationalen Gerichtshöfe sich auf eine Klage Kataloniens gegen Spanien einlassen würden, ist ebenso unsicher.



Kataloniens demokratische Rechte

Was Katalonien allein in der Hand bleibt, sind demokratische Grundmanifestationen, Wahlen, Demonstrationen, Abstimmungen. 2010 gingen 1 Million Katalanen auf die Straße, um gegen die finanzielle und identitäre Drangsalierung durch Spanien zu protestieren. Am 11. September 2012, dem katalanischen Nationalfeiertag, waren es über 1,5 Millionen, die unter dem Lemma „Katalonien, ein neuer Staat in Europa“ demonstrierten. Jedes Jahr gab es erneut diese Demonstrationen, die sich 2013 in Form einer 400 km langen Menschenkette von den Pyrenäen zum Ebre, am 11. September 2014 mit einem Sieges-V auf den größten Transversalalleen Barcelonas und am 11.9.2015 sogar mit 2 Millionen Teilnehmern manifestierten.

Bei den Wahlen am 25.11.2012 wurden mit einer ungewöhnlich hohen Wahlbeteiligung 87 von 135 Abgeordneten gewählt, deren Parteien ein Referendum zur Unabhängigkeit oder eine Loslösung von Spanien befürworteten. In dem inofiziellen Referendum vom 9. November 2014 zeigten 2,3 Millionen Wähler bürgerlichen Ungehorsam gegen den spanischen Staat, der den Wahlgang verboten hatte. 80 % von ihnen wählten ein „Ja“ für die Unabhängigkeit. Ein unübersehbares Votum gegen die von Spanien geltend gemachten Besitzrechte an Katalonien, die jede demokratische Entscheidung mundtot machen sollen. Immer verbohrter igelt sich Spanien in diese Position ein und merkt, dass ihr immer mehr Felle davonschwimmen.

Es ist möglich, dass eine mehrheitliche Erklärung eines neuen katalanischen Parlaments die einseitige Loslösung von Spanien erklärt. Dann werden die Juristen miteinander zu kämpfen haben. Hoffentlich wird dann die internationale Presse, deren Korrespondenten fast alle in Madrid sitzen, nicht, wie bisher meist, nur den Madrider Standpunkt vertreten. Es scheint jedenfalls durchaus möglich, dass Spanien Katalonien verlieren wird.

Die Kulturkomptenz der Spanier aller Generationen reicht nicht aus, um ein multikulturelles Spanien zu akzeptieren, in dem z. B. Katalonien auf gleicher Augenhöhe mit Spanien stehen kann.


Prof. Dr. Tilbert Dídac Stegmann und Diplocat

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Donnerstag, 28. August 2014

Die UNO kritisiert das spanische Königreich, die Aufklärung der Verbrechen des Franquismus zu verhindern

Der UN-Beobachter Pablo de Greiff hat Spanien kritisiert, die „schweren” Verbrechen während desBürgerkriegs und der darauffolgenden Diktatur weder zu untersuchen noch aufklären zu wollen. Zudem drückte er sein Bedauern über die „riesige Distanz” zwischen den spanischen Autoritäten und den Opfern des Franquismus aus.

Nach einem 10-tägigen Besuch in Spanien, hat der UN-Beobachter zur Verteidigung von Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und gegen die Impunität seine vorläufigen Schlussfolgerungen bekannt gegeben und der spanischen Regierung eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen vorgelegt, zum Beispiel, das Amnestiegesetz von 1977 außer Kraft zu setzen und allen Opfern des Franquismus den Zugang zur Justiz zu ermöglichen.

Während der Pressekonferenz bezog sich Pablo de Greiff auf die Empfehlungen der UN-Kommissionen gegen Folter und gegen das zwangsweise Verschwinden. Dabei wies er besonders auf die Mängel im spanischen Justizbereich hin. In diesem Sinne verlangte er von der spanischen Regierung die Aufhebung des Amnestiegesetzes von 1977, und den Opfern des Franquismus den Zugang zu den Gerichten zu ermöglichen, was eine Anpassung der spanischen Gesetzgebung an den internationalen Standard bedeuten würde.

Zudem kritisierte er, dass Spanien angegeben habe, das Amnestiegesetz sei kein Schlussstrichgesetz. Dennoch erfülle es seiner Meinung nach letztendlich die Funktionen eines solchen Gesetzes, da bisher fast alle Fälle, die vor Gericht gelangten, zu den Akten gelegt wurden.

De Greiff erinnerte auch daran, dass in Ländern, wo Amnestiegesetze nicht außer Kraft gesetzt wurden, die Gerichte die Richtlinien so interpretierten, dass „eine gerichtliche Verfolgung der mutmaßlichen Täter nicht verhindert wurde”.

Außerdem drückte der UN-Beobachter seine Überraschung über den mangelnden Einsatz seitens des spanischen Staats für die Rechte der Opfer aus, gerade weil dies nicht „eine Frage politischer Neigung oder der Vertretung bestimmter politischer Interessen ist, sondern es um Rechte geht, die alle Bürger betreffen”. Seiner Meinung nach erklärt dies die enorme Distanz zwischen den staatlichen Institutionen und den Opfern des Franquismus, die größte Distanz dieser Art, der er jemals in seiner Berufslaufbahn begegnet sei.

In seinem Bericht fordert de Greiff die spanischen Gerichte auf, sich an den bereits offenen Gerichtsprozessen im Ausland zu beteiligen, ein Hinweis in Richtung Argentinien, wo mehr als einhundert Vereine, die Opfer des Franquismus vertreten, Klage eingereicht haben.



Pablo de Greiff (EFE)

In diesem Zusammenhang kritisierte er besonders das Vorgehen der Audiencia Nacional (oberstes spanisches Gericht) und der Staatsanwaltschaft, weil diese „offensichtlich darauf abzielen”, einen Beschluss des Verfassungsgerichts über das Amnestiegesetz und die Verjährung von „derartig schweren Verstößen gegen die Menschenrechte”, die seines Erachtens „Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschheit darstellen könnten”, zu verhindern. Als Beispiel erwähnte er den Beschluss der Staatsanwaltschaft der Audiencia Nacional, den Auslieferungsantrag zweier der Folter beschuldigten Franquisten, José Antonio González Pacheco – Billy el Niño – und Jesús Muñecas Aguilar, abzulehnen.




Der Beobachter drückte zudem seine „Sorge” in Bezug auf den aktuellen Gesetzentwurf der Regierungspartei (Partido Popular) zur Modifizierung des Weltrechtsprinzips aus, der die Anwendung besagten Prinzips in der spanischen Gerichtsbarkeit „deutlich einschränken würde”.

Auf der anderen Seite bedauerte de Greiff die fehlende Bereitschaft des spanischen Staats, wahre Aufklärungspolitik auszuüben. So würden mehr Hilfsmittel benötigt, um notwendige Untersuchungen durchführen zu können, wie zum Beispiel die Aktualisierung der Aufzeichnungen von Massengräbern, ein Bereich, der „im Prinzip von sämtlichen staatlichen Finanzhilfen ausgeschlossen ist”.

Zudem empfiehlt der UN-Beobachter eine Erweiterung des Gesetzes des historischen Andenkens (Ley de Memoria Histórica), um „bestehende Lücken” zu füllen, wie zum Beispiel die fehlende Anerkennung derjenigen Opfer, die zurzeit der Diktatur in Arbeits- oder Konzentrationslagern gefangen waren.

Außerdem wies er indirekt auf die „schwammige Darstellung” des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur im Schulunterricht hin und empfahl, den „mehr als angemessenen Forderungen der Opfer des Franquismus nach einer längst notwendigen Umgestaltung des Valle de Caídos („Tal der Gefallenen”, Standort des Franco-Mausoleums) Folge zu leisten.




Pablo de Greiff war während seines Staatsbesuchs nach Madrid, Andalusien, Katalonien und Galizien gereist und hatte sich mit dem spanischen Außenminister José Manuel García-Margallo sowie weiteren staatlichen Vertretern, Repräsentanten von Opfern und der Zivilgesellschaft getroffen.

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Freitag, 22. August 2014

Wenn ich Schwede wäre

Wenn ich Schwede wäre und mir Reportagen anschauen würde über diese altertümlichen Bräuche mit den Kapuzen und über die religiösen, barock anmutenden Spektakel in den spanischen Straßen -- als ob die Zeit damals stehengeblieben wäre -- hätte ich als potenzieller Tourist einen ersten Eindruck über ein solch exotisches Schauspiel. Danach würde ich die wöchentlichen Nachrichten anschauen und eine Anzeige wegen Betrugs über fast 2000 Millionen Euro sehen wegen falschen Ausbildungskursen in Andalusien; und ich würde dies mit dem jüngsten Bericht der Europäischen Union über Arbeitslosigkeit in Verbindung bringen, in dem sich Spanien neben Griechenland an der Spitze der Liste der Länder mit der höchsten Arbeitslosigkeit befindet; mit sieben Regionen zwischen den ersten zehn in ganz Europa. Die übrigen drei sind zwei in Mazedonien sowie die Kolonialinsel Réunion. Das heißt, das sogar die meisten französischen Überseekolonien besser dran sind, was die Arbeitslosigkeit betrifft, als Spanien. Ich würde auf die von der EU zur Verfügung gestellte Karte schauen und sehen, wie sich im Falle Italiens zumindest das Problem auf den Mezzogiorno konzentriert; im Norden sind die Arbeitslosenzahlen am dritthöchsten. In Spanien hat der Regionshomogenisierungsapparat des Staates einen Rekord erreicht: sogar die wirtschaftlich führenden Regionen -- die Region Valencias, Aragón, die Balearen und Katalonien -- haben eine Arbeitslosenquote von mehr als 20%.

Und es hört nicht auf. Wenn ich Schwede wäre, würde ich mir die Jugend- oder Langzeitarbeitslosigkeit anschauen und sehen wie Ceuta, Melilla, die Kanaren und Andalusien neben den französischen Überseegebieten Guadeloupe, Martinique und Guayana mit ca. 55% die Ranglisten anführen.

Und ich, als Nichtkenner der offiziellen Geschichte, würde denken, dass diese spanischen Territorien genauso wie die französischen Gebiete Kolonien Kastiliens sind, die seit 500 Jahren von der Oligarchie unterdrückt werden und somit in ihrer Entwicklung behindert werden.

Wenn ich die Nachrichten der Woche weiterverfolgen würde, würde ich sehen, dass Spanien auch die meisten Schulabbrecher hat. Das Land hat außerdem die am besten bezahlten Fußballspieler Europas, das am weitesten ausgebaute Schnellzugnetz (AVE) und die höchsten Energiekosten. Ich würde denken: wieso muss ich, lächerlicherweise, zu den 1,27% des europäischen BIP beitragen, die in bodenlose Abgründe wie Spanien geworfen werden? Als Schwede würde ich keinen einzigen Euro zur Aufrechterhaltung zu diesem riesigen Schandfleck namens Spanien beitragen wollen.

Aber wenn ich anstelle Schwede Katalane wäre, müsste ich 8 - 10% des BIP nach Spanien abgeben. Ich würde also denken, dass Europa nicht in der Lage dazu ist, die oligarchischen extraktiven Wirtschaftssysteme -- wie zuallererst Spanien -- zu verstehen und in die Schranken zu weisen; wenn Europa nicht versteht, wieso sich Katalonien als eine der wenigen Regionen, die sich vor dem Desaster retten können, emanzipieren will, dann verdient es auch kein Katalonien, das Interesse daran zeigt, zu einem Europa zu gehören, dass die Starken noch stärker macht und Minderheiten toleriert, die auf Kosten der Schwachen leben. Wenn ich es mir aus einem katalanischen Blickwinkel anschaue, wäre ich lieber kein Schwede. Lieber Norweger.


Josep Huguet
@Josep_Huguet

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Samstag, 31. Mai 2014

Ansprache

Liebe Freunde, heute haben wir einen Grund zum Feiern: das Datum und die Frage für unsere Volksbefragung stehen fest. Wir feiern, dass wir am 9. November über die Zukunft unseres Landes entscheiden können.

Es ist WAHR, dass die Frage nicht genau der Vorstellung der 2 Millionen Menschen entspricht, die am letzten 11. September die Straßen Kataloniens bei einer der größten Demonstrationen aller Zeiten füllten. Aber TATSACHE ist, dass die erhoffte Frage in der doppelten Fragestellung enthalten ist.


Es ist WAHR, dass das Datum auch zeitlich nicht so nah liegt, wie wir es uns gewünscht hätten, aber TATSACHE ist, dass der gewählte Zeitpunkt einen politischen Vorteil hat und zudem ein großes symbolisches Gewicht, weil er mit dem 25. Jahrestag des Berliner Mauerfalls koinzidiert.


Aber das Wichtigste ist, dass es ein Datum und eine Frage gibt und wie es dazu gekommen ist: nämlich mit dem Konsens aller parlamentarischer Gruppen, die das Recht auf eine Entscheidung der Katalanen befürworten, und die zudem die große Mehrheit im katalanischen Parlament bilden.


Die Abstimmung ist der Weg. Am 9. November können wir Katalanen unser Recht, über die Zukunft unseres Volkes zu entscheiden, auf die friedlichste und demokratischste Weise, die es gibt, ausüben: mit einer Volksabstimmung.


Falls der spanische Staat dieses demokratische Recht verweigert, wird er vor Europa und der Welt bloßgestellt sein, denn keine Verfassung steht über der Demokratie. Man kann sich nicht Demokrat nennen und dagegen sein, dass ein Volk sein Recht auf Selbstbestimmung ausüben möchte. Allerdings müssen wir eins bedenken: Diejenigen, die dieses Recht in Katalonien verweigern, sind in der Minderheit, die nicht einmal an die 35 Prozent der Abgeordneten herankommt. Im Gegensatz dazu, könnte im spanischen Parlament dieser Anteil die 80 Prozent überschreiten, darunter die Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE). Diese Partei hat bereits angekündigt, dass in einer hypothetischen bundesstaatlichen Lösung für Spanien das Recht auf eine Selbstbestimmung der Katalanen keinesfalls Platz finden sollte. Herr Zapatero, als einer der „fortschrittlichsten” und pro-katalanischen Politiker der PSOE bekannt, und der nach eigener Aussage in Granada als „Katalane” beschimpft wurde, bestätigte vor wenigen Tagen, dass das Recht auf Entscheidung „gegen die Natur” sei. „Gegen die Natur” - Stellen Sie sich das vor! (Sicher auch „gegen die Natur” aus Sicht der Bischofskonferenz.)

Es ist also gut möglich, dass wir uns vor der ersten und einzigen Gelegenheit befinden, um über unserer Unabhängigkeit entscheiden zu können. Lasst sie uns nutzen!

Der spanische Staat hat bereits klargemacht, dass er alles in seiner Macht stehende tun wird, um zu verhindern, dass die Bürger Kataloniens über ihre Zukunft entscheiden können. Aber wir dürfen nicht den spanischen Staat mit dem spanischen Volk gleichsetzen. Uns verbindet viel mit dem spanischen Volk, das wir schätzen und das genau wie wir unter der Unterdrückung einer ausbeuterischen, zentralistischen, rückschrittlichen Oligarchie litt und leidet, unter den Nutznießern pharaonischer Bauprojekte, die uns alle auf die gleiche Weise haben verarmen lassen.

Aber wir haben einen Vorteil: uns vereinen eine eigene, ständig bedrohte Sprache und Kultur. Zugleich haben wir eine bemerkenswerte Zivilgesellschaft, die aktiv, dynamisch und stark ist, und die einen sozialen und politischen Wandel ermöglichen wird. Und vielleicht kann dies auch ein Vorbild für unsere Freunde im spanischen Staat sein, um aktiv zu werden.


Wir Katalanen wollen unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen, unsere Ressourcen selbst verwalten und weiterhin solidarisch mit den Einwohnern Spaniens sein, aber auf eine viel effizientere Art und Weise.


Und wir haben Eile, große Eile, denn die Bedürftigsten leiden wie nie zuvor.

Die Menschen meiner Generation haben den demokratischen Übergang erlebt. Wir waren jung und hatten das Privileg, am demokratischen Aufbau des Landes mitzuwirken. Heute haben wir die Möglichkeit, unserer Jugend zu helfen, einen neuen Staat zu errichten: ein freieres, fortschrittlicheres, solidarischeres und dementsprechend auch gerechteres Land. Wir haben eine großartige Gelegenheit vor uns, die begeistert und motiviert.

Worauf warten wir noch?


Wie sagt Miquel Martí i Pol: Es ist alles bereit und nichts ist unmöglich!

Katalanen … Machen wir uns auf.


Hoch lebe Katalonien!





Español

 

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Mittwoch, 5. März 2014

Thomas Spieker(HC) klagt die deutsch-europäischen Führungskräfte wiederholt ob ihrer demokratischen Mängek an

Sehr geehrter Herr Dr. Wienberg,

Auch ich danke Ihnen für Ihre Antwort.

Leider muss ich jedoch feststellen, dass nicht nur Ihre ‚Declaración de Barcelona‘, sondern auch mein Brief ihren ‚Zweck‘ weit verfehlt haben. Denn Sie haben mit ihrem eindeutig Partei ergreifenden Manifest in Katalonien eher die Befürworter der Trennung des Landes von Spanien beflügelt, als dazu beizutragen, „eine Abspaltung“ zu verhindern. Und auch ich scheine mit meinem Anliegen, dass Sie sich die ‚Sache‘ vielleicht einmal von katalanischer Seite aus ansehen sollten, keinen Schritt weitergekommen zu sein.

Trotzdem sollten Sie verstehen, dass es keinesfalls die „sechs“, Ihrer Meinung nach „nicht weg zu diskutierenden“ Punkte waren, die Ihnen das Presseecho beschert haben, das zumindest in Katalonien keineswegs positiv war. Erstens, weil es sich keinesfalls um sechs, sondern lediglich um ein Argument handelt, denn 2-6 sind ganz einfach nur mögliche Konsequenzen des vermeintlichen Ausschlusses Kataloniens aus der EU. Zweitens, weil genau dieser Vortrag nichts anderes ist, als das kritiklose Nachplappern der furchterregenden Mähren der Madrider Regierung, die damit seit Monaten fast täglich versucht, die Katalanen zu verunsichern. Und Drittens, weil derartig apokalyptische Wahrsagungen wohl eher in ein Kirmeszelt gehören, als in eine sachliche, politische Diskussion. Schlagzeilen hat Ihre ‚Declaración de Barcelona‘ meiner Meinung nach nur deshalb gemacht, weil Sie sich darauf eingelassen haben, ihre Position als ausländische Führungskräfte wirtschaftlich wichtiger Unternehmen in Katalonien zu missbrauchen, um sich gegen den mehrheitlichen Willen der Katalanen als Unterstützer der Propagandatrommel der spanischen Volkspartei PP zu outen.

Es gibt bekanntlich keine schlimmere Taubheit als die desjenigen, der nicht hören will. Trotzdem kann ich es mir nicht verkneifen, Sie darauf hinzuweisen, dass es für die Situation, vor der Katalonien steht, keinen Präzedenzfall gibt und dass selbst in der EU immer mehr Stimmen laut werden, die davor warnen, 7,5 Millionen Katalanen einfach von heute auf morgen gegen ihren Willen die europäische Staatsbürgerschaft zu nehmen, die auch Vorteile in der Abspaltung sehen und die vor allem den demokratischen Willen des katalanischen Volkes respektiert wissen wollen. Daher erscheint eine einvernehmliche Übergangsregelung, egal welcher Art, sowohl mit der EU wie auch mit Spanien, als ein wesentlich wahrscheinlicheres Szenario am Horizont.

Schade, dass ich Sie nicht überzeugen konnte, ein bischen mehr katalanisch zu denken. Nichts desto trotz wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der Erreichung Ihrer wirtschaftlichen Ziele. Was die politischen betrifft, wünsche ich diesen Erfolg dem mehrheitlichen Willen der Menschen in meiner Wahlheimat.

Mit freundlichen Grüssen,




Thomas Spieker









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