Samstag, 26. September 2015

Betr. “Katalanen proben die Unabhängigkeit” von S. Bastaroli, Die Presse 24.09.15

Sehr geehrte Damen und Herren,

Erlauben Sie mir folgende Bemerkungen über den o.g. Artikel:

-Die radikale Linken gehören nicht zu der “Mas bunte Anti-Spanien-Koalition”. Ein Teil davon (CUP) hat eine eigene Liste, die auch für die Unabhängigkeit ist. Der Rest der radikale Linke hat sich mit den spanischen Partei Podemos einer anderen Liste angeschlossen, die sich für den Verbleib in Spanien ausspricht.

-Aus Brüssel ist nur gesagt worden, was eine Selbstverständlichkeit ist: dass Katalonien nicht automatisch Mitglied der EU bleibt. Aber die meisten Experten (natürlich nicht die von den spanischen Regierung) meinen, dass aus vielen Gründen die Verhandlungen über die neue Admission Kataloniens in der EU sehr rasch erfolgen würden. Auch der Anschluss an den Binnenmarkt ginge keineswegs verloren. Notfalls könnte ein bilateraler Vertrag (Wie bei Norwegen oder die Schweiz) aushelfen.

-Das neue Autonomiegesetz wurde 2011 nicht nur als Verfassungswidrig deklariert weil Katalonien darin als Nation bezeichnet wurde. In Wirklichkeit wurden als Verfassungswidrig eine Reihe von Artikeln des Gesetzes, die für Katalonien viel grössere Kompetenzen bei Finanz, Wirtschaft, Bildung und Kultur bedeuteten. Dadurch wurde die katalanische Autonomie bis zur Lächerlichkeit demontiert.

-Gekränkter Stolz, anders als bei den Spaniern, spielt für den Katalanen keine Rolle. Wohl aber die ständige Beschneidung der katalanischen Kompetenzen in allen Bereichen und die Vernachlässigung der katalanischen Infrastruktur zugunsten des Baus leere Flughäfen, unrentablen Bahnlinien und aufgeblähte Verwaltungen (während Katalonien die spanische Region mit den geringsten Beamtenzahl je 1000 Einwohner ist.)

Mit freundlichen Grüße

Pere Grau
Hamburg

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Mittwoch, 17. Juni 2015

Antwort auf den Brief des spanischen Botschafters Garcia-Berdoy: “Katalonien? Eine Sache aller Europäer!”





Am 9. Mai veröffentlichte die FAZ einen Brief des spanischen Botschafters in Berlin als Antwort auf einen Artikel des katalanischen Präsidenten Artur Mas vom 9. April.

Der Titel “Eine Sache aller Spanier” fasst die Grundaussage des Botschafters zusammen: die politische Zukunft Kataloniens ist eine interne Sache Spaniens, die von allen Spaniern entschieden werden soll.

Um zu verstehen, was das bedeutet, muss man erklären, dass wir Katalanen 16 Prozent der spanischen Bevölkerung darstellen. Wenn die Gesamtheit Spaniens über die politische Zukunft Kataloniens entscheiden soll, braucht man nicht lange zu rechnen, um zu sehen, dass die katalanische Meinung gegen die Meinung von 84 Prozent der Spanier immer in der Minderheit sein wird. Deshalb bleibt die Meinung der Katalanen wirkungslos, und die Zugehörigkeit der Katalanen zum spanischen Staat wird zu einem Zwang und nicht zu einem Willensakt.


Der Botschafter meint, wenn wir es wollen, könnten die Katalanen vorhandene Mechanismen nutzen, um die spanische Verfassung zu ändern. Den Mechanismus gibt es durchaus, aber der ist für die Katalanen in der Praxis nicht nutzbar. Katalonien verfügt über 47 Abgeordnete im spanischen Parlament, es sind aber mindestens 210 von 350 Stimmen notwendig, um die Verfassung ändern zu können. Es ist wahr, dass die Verfassung von 1978 durch eine überwältigende Mehrheit der Katalanen angenommen wurde. Aber welche Alternative hatten sie?


Die Lösung des katalanischen Problems ist nur durch einen Pakt zwischen den politischen Repräsentanten Kataloniens und dem spanischen Staat möglich. Es muss zu einer Vereinbarung kommen, die auf Verhandlungen und dem Konsens beider Seiten basiert. Das wurde schon mit dem neuen katalanischen Autonomiestatut von 2006 versucht. Das Statut von 1979 sollte aktualisiert werden, um es gegen die ständigen zentralisierenden Einmischungen seitens des spanischen Staates zu schützen, die seit der Regierung von José María Aznar in Gang gesetzt worden waren. Das katalanische Statut von 2006 wurde im spanischen Parlament verhandelt und verabschiedet, vom spanischen König unterzeichnet, und von den Katalanen in einem Referendum angenommen. Danach wurde das Statut aber Gegenstand einer Klage von der jetzt regierenden Volkspartei (Partido Popular) vorm Verfassungsgericht. 2010 erging ein Urteilspruch dieses Gerichts, der das katalanische Statut verstümmelte, in manchen Bereichen in die Selbstverwaltung Kataloniens hineinregierte, bis hin zu einem schlimmeren Zustand als in der Zeit des Postfrankismus. Das Verfassungsgericht ist ein hochpolitisiertes juristisches Organ, in dem z.B. der Vorsitzende ein ehemaliges aktives Mitglied der Fuerza Nueva (Neue Kraft: eine Partei der ultrarechte Anhänger von Franco) und zuletzt auch aktives Mitglied der PP war. Das Urteil von 2010 des Verfassungsgerichts baut eine unüberwindbare Mauer für die Katalanen auf; es ist ein Urteil das der Jurisprudenz die Hände bindet und es gibt keinen legalen Mechanismus, um dagegen anzugehen oder eine Revision zu erreichen.


Ab 2010 befindet sich die Selbstverwaltung Kataloniens in einer Sackgasse, und die Lage verschärft sich durch die Aggressivität der Regierung Rajoys, die ein Ausmaß erreicht hat, das seit der Franco Diktatur nicht mehr zu sehen war. Die Unabhängigkeitsbewegung wächst außerordentlich an, weil die Bürger feststellen, dass Katalonien innerhalb Spaniens keine Chance auf sein politisches und kulturelles Überleben hat.


Abgesehen von den Ursachen, die die Unabhängigkeitsbewegung beflügeln, können wir als Demokraten nicht akzeptieren, dass der spanische Staat uns das Recht, selbst zu entscheiden, mit der Ausrede verweigert , dass die spanische Legalität das nicht zulasse. Das Gesetz kann reformiert werden, wenn der politische Wille vorhanden ist. Das Gesetz an sich ist kein Synonym von Demokratie. Denn totalitäre Staaten bleiben totalitär, auch wenn sie Gesetze haben. Die Ignoranz der spanischen Regierung ist es, die uns in die jetzige Lage gebracht hat.


Wir Katalanen appellieren an das demokratische Bewusstsein der Europäer und bitten, dass diese auf die spanische Regierung einwirken, so dass sie den Willen der Katalanen, ihre Zukunft selbst zu entscheiden, akzeptiert. Europa kann sich nicht die Hände in Unschuld waschen. Die Haltung der Regierungen von Großbritannien und Kanada in Bezug auf Schottland und Quebec sollte als Modellbeispiel für Konflikte gelten, die all zu oft gewaltsam gelöst wurden. Wenn der ukrainische Konflikt eine Angelegenheit Europas ist, sollte der katalanische es umso mehr sein, da die Möglichkeit besteht, ihn friedlich zu lösen. Dänemark hat es verstanden und eine große Mehrheit des dänischen Parlamentes hat sich dafür ausgesprochen den politischen Konflikt zwischen Katalonien und Spanien durch einen friedlichen demokratischen Dialog zu lösen.

ANC Deutschland

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Samstag, 1. November 2014

Katalonien träumt gefährliche Wunschträume






Brief an der Frankfurter Allgemeine Zeitung über den Artikel von Leo Wieland "Katalonien träumt gefährliche Wunschträume", in der FAZ vom 30.10.14.


Sehr geehrter Herr Frankenberger,

Sehr geehrter Herr Kohler,

Sehr geehrter Herr Nonnenmacher,


In den letzten Jahren habe ich mehrmals auf die Unsachlichkeit der Artikeln Leo Wielands angewiesen, wenn diese sich auf Katalonien bezogen. Um am Ende von Ihnen nicht als ewiger Querulant abgestempelt zu werden, hatte ich damit aufgehört, obwohl ich mehr als einmal einen Grund zum Protest gehabt hätte.

Der o.g. Artikel von Herr Wieland, kann man aber nicht unkommentiert durchgehen lassen. Um es erst einmal meinen Eindruck zusammen zu fassen: für Herrn Wieland ist alles Negative was von spanischer Seite über Katalonien verbreitet wird, so wahr wie das Evangelium für einen Gläubigen. Aber alles, was von katalanischer Seite dagegen argumentiert wird, ist falsch, verlogen oder Wunschträumerei. Ich werde meine Kritik sehr schematisch darlegen müssen, um Ihre Geduld nicht über Gebühr zu strapazieren. Für weitere von Ihnen gewünschte Erläuterungen stehe ich selbstverständlich jederzeit zu Ihrer Verfügung. Und jetzt zu den Behauptungen von Herrn Wieland.

- Schottland ist mehrere Jahrhunderte lang ein unabhängiges Königreich. Katalonien aber nicht. Falsch. Katalonien war unabhängig ab 988 bis 1714, erst allein, dann konföderiert mit Aragonien und später konföderiert mit Kastilien als Königreich Spanien. In Katalonien galten nur die Gesetze, die vom katalanischen Parlament verabschiedet wurden, und kein König Spaniens war König Kataloniens ohne seinen Eid auf die katalanischen Gesetzen geleistet zu haben.

-"Über die Kosten und Risiken dieses politischen Abenteuers reden die katalanischen Nationalisten nur ungern". Falsch. Es gibt sehr viele Studien darüber. Es wurden und werden überall in Katalonien Vorträge darüber abgehalten, und nirgendwo meint man (wie Ihrer Korrespondent behauptet), dass die Unabhängigkeit die Tür zum Schlaraffenland sei. Es werden immer nur die Sachargumente gegen die Angstmache aus Madrid erläutert. Ein Beispiel von vielen können Sie finden in der englischen Version eines von katalanischen Wirtschaftswissenchaftlern geschriebenen Buches "The Economy of Catalonia":

http://www.profiteditorial.com/libros-de-empresa-y-negocios/publicacions-en-catal%C3%Ao/economy-catalonia


- "...dann gäbe es keinen lästigen innerspanischen Finanzausgleich mit ärmeren Regionen... Milch und Honig, so der Wunschtraum, begännen zu fließen". Falsch. Die Katalanen haben nie etwas gegen eine Solidarität mit ärmeren Regionen gehabt, wohl aber dagegen, dass diese Solidarität weit über die Möglichkeiten Kataloniens in unerträglicher Masse beansprucht werden würde. Und Ihr Korrespondent sollte eigentlich wissen, dass die Katalanen nicht als Träumer gelten sondern, dass sie den Ruf haben höchst nüchtern und pragmatisch zu sein. Und wir sind es jetzt mehr denn je.

- "Unabhängigkeitsskeptische Analysten der Societat Civil Catalana zeichneten gerade ein düsteres Panorama vor: eine Spaltung würde in Katalonien einen Kollaps und eine permanente Krise auslösen". Falsch. Diese SCC (Katalanische Zivilgesellschaft) ist eine sehr kleine und bedeutungslose Gruppe von rabiaten Gegnern der Unabhängigkeit. Sich auf die Meinung dieser Leute zu berufen, ist vergleichbar mit dem Versuch eine Studie über die deutsche Demokratie mit der Meinung der NPD zu begründen. Das Umfeld dieser Leute besteht grösstenteils aus Nostalgikern der Franco Diktatur und rassistischen Xenophoben.

- Der Handelsaustausch mit Spanien ist 45 % des Gesamtvolumens. Falsch. Zur Zeit ist es ungefähr ein Drittel, Tendenz absteigend. Ein spanischer Boykott würde Spanien mehr Schaden als Katalonien.

- Die ausländischen Investitionen würden wegen der Unsicherheit austrocknen. Sehr zweifelhaft. 2013 und 2014 sind die ausländischen Investitionen in Katalonien, trotz des sich abzeichnenden Weges zur Unabhängigkeit, nicht vermindert sondern gesteigert worden, und die in Katalonien tätigen Firmen haben in der Regel Pläne, um sich an die Veränderungen flexibel anzupassen.

- "Katalonien... ist mit mehr als 60 Milliarden Euro die am stärksten verschuldete Region Spaniens...liegt zunehmend am Madrider Tropf...und hatte Milliardentransfusionen der spanische Regierung nötig um die Löhne im öffentlichen Dienst bezahlen zu können". Dazu folgendes in Stichworten: 60 Milliarden Schulden entspricht weniger als 30 % des katalanischen BIP. Viel weniger als fast alle europäischen Länder und keine Tragödie, wenn Katalonien über seine eigene Mitteln verfügen könnte. Was die "Hilfe" der Madrider Regierung angeht, kann man es sich wie folgt vostellen: erst nimmt Madrid aus Katalonien jährlich zwischen 10 und 14 Milliarden mehr als es sollte und leiht dann von diesem Geld (gegen saftige Zinsen) einen Teil an die katalanische Regierung um Probleme zu lösen, die man mit einer gerechten Behandlung nicht hätte. Soviel zu der "Solidarität" Madrids.

-"Katalonien müsste 100 Milliarden der spanischen Schulden übernehmen, und wäre zu klären wer denn nun die Renten zu bezahlen hätte". Erstens: Katalonien wird nur einen Teil der spanischen Schulden übernehmen, wenn mit Spanien ein einvernehmlicher Weg zur Unabhängigkeit vereinbart ist. Eine Verpflichtung dazu besteht nicht. Das wäre Verhandlungsmasse für eine Einigung mit Spanien. Es würde dann aber nicht nur über Passiva sondern auch über Aktiva zu sprechen sein, was die Last der übernommenen Schulden abfedern würde. Und die Renten würden kein Problem sein, da sie (wie in Deutschland) von den laufenden entsprechenden Lohnabgaben finanziert werden.

-"Katalonien würde nicht in der EU bleiben können". Das ist keineswegs ausgemacht, da keinen Präzedenzfall gibt und keine Regelung dafür existiert. Aber auch ausserhalb der EU könnte es durch eineb Status wie die EFTA Länder mit bilateralen Verträge nmit der EU bequem überleben.

-Herr Wieland zitiert wieder den Korruptionsfall in der Familie Pujol. Was da am Ende an Strafbaren ans Licht kommt, wird entsprechend geahndet werden, sei es von spanischen oder von katalanischen Gerichten. Aber dieser Fall, so enttäuschend er für die Katalanen ist, hat keinerlei Einfluss auf den Unabhängigkeitsprozess. Er gehört zur Vergangenheit, und man möchte durch eigene Gesetze solche Fälle in Zukunft wesentlich zu erschweren .

Zu diesem Artikel von Herrn Wieland, genau wie zu seinem Vorherigen vom 17.10 "Die freie Wille der Vollstrecker", könnte ich noch ein paar Seiten schreiben. Ich habe aber schon genug Ihre Geduld strapaziert. Die Katalanen, die in Deutschland leben sind (um es höflich auszudrücken) nicht gut auf Herr Wieland zu sprechen. Ich würde mir von einer der besten Zeitungen der Welt, wie es die FAZ ist, eine objektivere Berichterstattung über meine Heimat wünschen.

Mit freundlichen Grüße

Pere Grau


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Samstag, 24. Mai 2014

Stanic: “Ein Spanien ohne Katalonien würde auch außerhalb der Europäischen Union bleiben”

Die Anwältin, die auf internationale Streitbeilegung spezialisiert ist, ist der Auffassung, dass: “Katalonien darauf bestehen muss, dass es sich nicht um eine Sezession, sondern um die Auflösung Spaniens handelt”, wie sie in einem Interview mit der Zeitung Ara äußerte.



Die Anwältin Ana Stanic ist der Meinung, dass “ein Spanien ohne Katalonien auch außerhalb der Europäischen Union bleiben würde.” Stanic, Tochter einer der Zuständigen des slowenischen Unabhängigkeitsreferendum von 1990, ist Gründer der Firma E&A Law und arbeitete für die renommiertesten Kanzleien Londons.

In einem Interview mit der Tageszeitung Ara sagt die Anwältin: “Katalonien muss darauf bestehen, dass es sich nicht um eine Sezession, sondern um eine Auflösung des spanischen Staates handelt. Katalonien ist ein wichtiger Teil dessen. Wenn es unabhängig wird, hört das ursprüngliche Spanien auf zu existieren und die Staaten, die daraus entstehen, sind Erben des aufgelösten Staates.” “Dies ist vor allem wichtig für die EU-Mitgliedschaft Kataloniens”, erklärt sie, “und die des Rest Spaniens: entweder bleiben beide Gebiete in der EU, oder beide sind ausgeschlossen”. “Spanien ohne Katalonien wäre ein anderes Land. Ich sehe nicht ein, wieso nur Katalonien den Wiedereintritt verlangen müsste. Wenn es soweit kommt, müsste auch Spanien das tun”, ist ihr Urteil.

Stanic erklärt, dass “genauso wie es in Katalonien passiert ist, wurde in Slowenien die Unabhängigkeit auch vom Volk angetrieben” und dass die Politiker später hinzugekommen sind. Sie beschreibt, dass es bis zum letzten Moment Unsicherheiten gab, denn obwohl die Volksabstimmung mit 88,5% Ja-Stimmen endete, gab es Monate vor dem Termin der Abstimmung, dem 23. Dezember 1990, kein Unabhängigkeitsstreben in der Mehrheit.

“In Slowenien haben sich die Anhänger der Unabhängigkeitsprozesses diesem abgewandt, als sie merkten, dass es ernst war. Es gibt einen Moment an dem ein point of no return überschritten wird und die Unterstützung für die Unabhängigkeit unaufhaltsam sein wird. Ich weiss nicht, ob das in Katalonien schon passiert ist.”

Voller Sicherheit steht sie hinter dem Recht zu Entscheiden der Katalanen: “Meinungsfreiheit ist ein demokratisches Grundrecht. Es gibt keine gesetzliche Rechtfertigung, sich zu widersetzen.”

Schließlich erläutert Stanic die internationale Rechtssituation bezüglich einseitiger Erklärungen: “Im Fall Kosovo wurde durch die Position des Internationalen Gerichtshofs klar, dass es im internationalen Recht nichts gibt, was eine einseitige Erklärung verbietet. Das Völkerrecht beinhaltet nicht die Möglichkeit der Sezession, verbietet sie aber auch nicht. Es kümmert sich einfach nicht darum. Es könnte daher so argumentiert werden, dass es dadurch illegal ist.”

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Freitag, 28. März 2014

Verfassungsgericht erklärt Katalonien-Referendum für unrechtmäßg





Das spanische Verfassungsgericht hat die geplante Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Kataloniens für unrechtmäßig erklärt. Die Region im Nordosten könne auf keinen Fall einseitig ein Referendum anberaumen.
Katalonien zählt wirtschaftlich zu den stärksten Regionen Spaniens. Die Katalanen beklagen aber seit langem, Madrid ziehe ihre Steuergelder ab und verteile sie an ärmere Regionen. Viele Einwohner befürworten daher eine Unabhängigkeit. Nun hat das spanische Verfassungsgericht die für den 9. November geplante Volksabstimmung über einen eigenen Staat in der nordöstlichen Region Spaniens für unrechtmäßig erklärt.

Eine Region könne "nicht einseitig ein Referendum zur Selbstbestimmung ansetzen", urteilte das Gericht am Dienstag. Zur Begründung hieß es, Katalonien sei "kein eigenständiges politisches und juristisches Subjekt".
Zudem hieß es im Urteil des Madrider "Tribunal Constitucional": Die vom katalanischen Parlament im Januar 2013 verabschiedete Erklärung sei "nichtig und verfassungswidrig". Die Richter erkennen zwar das in der Deklaration von Barcelona erwähnte "Selbstbestimmungsrecht" der Katalanen an, dieses dürfe aber nicht mit der Verfassung kollidieren. Volksabstimmungen könnten nur von der Zentralregierung in Madrid angesetzt werden. Katalonien und die 16 übrigen autonomen Regionen Spaniens hätten dieses Recht nicht.


Quelle

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Samstag, 15. März 2014

Werden die Katalanen wählen dürfen?

Diejenigen die die spanische Presse letzte Woche verfolgten, besonders jene die in Madrid erscheint, könnten den Eindruck gewinnen, sie sei aus 1898. Die Überschriften, wenig unparteiisch aber dafür  um so reisserischer , sprechen von einer „Separatistenbedrohung“ und die wichtigsten politischen Parteien verkünden ihre Unterstützung für den Staat und ihre unflexible Haltung gegenüber jenen, die gegen die „unauslösliche Einheit Spaniens“ agitieren.

Im Gegensatz zu 1898 befinden sich die Separatisten nicht in der fernen Karibik und nicht auf Kuba, sondern von der demokratischten Form überhaupt: die Wahl.  Der Alarm erreicht hysterische Werte, weil die Katalanen wagten  , selbständig   ein Datum des Referendums zu setzen ,dem spanischen Staat weiterhin  anzugehören oder sich als selbständige Nation zu organisieren. Da der Zentralstaat sich weigert überhaupt darüber zu sprechen, haben sie sich entschieden selber das Referendum einzuberufen.

Die Entscheidung darüber wurde von den politischen Parteien getroffen, die die Mehrheit der Katalanen vertreten und ausserdem über eine zweidrittel Mehrheit im autonomischen Parlament verfügen, sodaß die Verabschiedung  der Entscheidung gesichert ist. Nach mehreren gemeinsamen Verhandlungen  einigte man sich in den wichtigsten Fragen des Referendums und legte es auf den 9. Nov. 2014 :
1.    Wollen die Katalanen, dass Katalonien ein Staat wird ?
Und wenn die Antwort positiv ist: , wird die folgende Frage sein :
2.    Soll dieser Staat unabhängig sein ?

Der Verhandlungsprozess dauerte mehrere Monate. Die Mehrheit der politischen Parteien und Gruppen unterstützen die Unabhängigkeit, auch „Convergencia i Unió, die aktuelle Regierungspartei Kataloniens.  Der Bündnispartner „Unió“ neigt mehr zu einer Art freien Verbindung zu Spanien. Daher kommt diese Doppelfrage, die erste befriedigt die UDC und die zweite die Unabhängigkeitsanhänger.


Obwohl diese Zweideutigkeit die Tür zu einer anderer Lösung als die Unabhängigkeit öffnen könnte, wie eine bekannte Londoner Zeitschrift meinte, war die Reaktion der Zentralregierung eine totale Ablehnung,  jegliche freie Selbstbestimmung verneinend. Zu dieser ablehnender Haltung der vereinigten spanischen Nationalisten gesellte sich die spanische sozialistische Partei ( PSOE ) der parlamentarischen Opposition .


Diese immer hochtrabender Mauer bildete sich sofort, daß die katalanischen Parteien, ermutigt durch den Referendumspakt zwischen Großbritanien und Schottland, das Recht  verlangten, ihrer eigenen politischen Zukunft zu entscheidenDiese Madrider Mauer konnte aber bisher nicht den Prozess zur Selbständigkeit bremsen, sondern erreichte eher das Gegenteil. Die Katalanen arbeiten unermüdlich für diese Abstimmung gegen die Meinung der konservativer Zentralregierung und der ihr unterstützenden PSOE.Von Europa aus hört man Stimmen, die sich für eine versöhnlichere Haltung ausprechen und die multinationale Realität zu anerkennen.

Der Financial Times aus London, in einen Leitartikel, veröffentlichte die katalanische Haltung, mit grossem Wiederhall in Europa, und so gut wie keinen seitens der spanischen Regierung.

Interessanterweise war die Volkspartei , PP, der eigentliche  Urheber der gegenwärtigen Konfrontation zwischen Europa und Katalonien.

2005 mit der PSOE als Zentralregierung an der Macht, wurde ein ernsthafter Prozess angestrebt, der die Beführwortung eines neuen autonomen katalonischen Staates anstrebte.  Obwohl die verabschiedeten Gesetze  nicht die Unabhängigkeitsbewegung zufrieden stellte , hauptsächlich vertreten in der ERC – Partei , bedeutete es doch im Vergleich zum alten Status ,  einen wichtigen Schritt vorwärts.  Im neuen Text war die Katalanische Nation anerkannt und bildete so einen legalen akzeptierbaren Rahmen zum Schutz ihrer  Sprache, ihrer  Kultur und ihrer geschichtsträchtigen Institutionen . Dieser Prozess wurde auch durch die Teilnahme mehrerer Instanzen legitimiert. Er entwickelte sich im katalanischen Parlament , führte über den spanischen Kongress und letztendlich wurde von den Katalanen in einem Referendum verabschiedet.

Nach diesem intensiven Prozess wurde das historische „katalanischen Problem“ zur Akte gelegt und alles schien seinen Weg zu gehen. Sobald aber dieses Statut verabschiedet wurde klagte die damalige  PP als Opposition vor dem Verfassungsgericht, wo die meisten der konservativen Richter das Gesetzwerk verwässerten und 14 Artikel davon für null und nichtig erklärten.  Dabei ging es besonders  um die Kompetenzen in Fragen der Sprache, Kultur und Eigenständigkeit . Mit diesem vernichtenden Urteil wurde der Wunsch der Katalanen nach Unabhängigkeit   wieder sehr gestärkt und man kam zu der Überzeugung, dass die katalanischen Institutionen sich nur in der Unabhängigkeit weiterentwickeln konnten.

Jetzt spricht die Mehrheit der Katalanen von Unabhängigkeit, nicht von Autonomie, und die spanischen Rechten, die von der Ernst der Lage gewahr werden, werden immer hysterischer, und keiner weiss wie weit sie gehen werden.  Zu Zeiten Francos ständen  jetzt bereits die Panzer auf den Ramblas von Barcelona . Aber heute ist Spanien ein Teil der EU und eine militärische Lösung wird nicht gern gesehen . Ausserdem bitten die Katalanen nur darum, wählen zu dürfen . Und dieses darf einem Volk mit Waffen nicht verwehrt werden.

Manuel de J González

Claridad

El periódico de la nación puertoriqueña

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Samstag, 7. Dezember 2013

Valladolid gibt 165.000 € für Stierkämpfe aus

Die Stadt Valladolid ist eine Hochburg ausgeprägten Zugehörigkeitsgefühls zu Spanien. Umgangsprachlich wird die Stadt “Fachadolid” genannt (Wortspiel mit dem spanischen Wort “Facha” für Faschist), denn die faschistoiden Gruppen in der Stadt sind zahlreich. Wie es zu erwarten ist, regiert wie im Königreich Spanien auch da die Partido Popular. Die Stadt ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Spanienliebe zeigt.



Mitten in einer Wirtschaftskrise und mit 51% Jugendarbeitslosigkeit hat Valladolid den Haushalt für soziale Hilfe um 30% gekürzt. Gleichzeitig aber hat die spanienliebende Regierung ein Posten von 165.000 € für Stierkämpfe genehmigt.

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Samstag, 16. November 2013

Mehr als 3.000 Menschen stellen Estelades auf 300 Gipfeln überall in Europa auf













Im August erzählte mir eine Freundin – meine Begleiterin auf Exkursionen – von dem Vorschlag „Estelades auf den Gipfeln“ und selbstverständlich sagte ich ihr zu. Das war die perfekte Möglichkeit, zwei Dinge, die uns begeistern, zu verbinden, die Berge (schließlich sind wir kleine Bergsteigerinnen) und der Kampf für die Unabhängigkeit Kataloniens.
Da wir im August keine großen Aktivitäten geplant hatten, entschieden wir uns für eine kleine Bergbesteigung zum Puig Estela (2.013m) in der Nähe von Sant Joan de les Abadesses, um dort auch unsere Estalada gleichzeitig mit denen von tausenden anderen Katalanen wehen zu lassen.

Am 8. September zogen wir los, ohne genau zu wissen, ob das Wetter uns den Aufstieg erlaubte, aber es hielt durch und wir schlenderten aufwärts. Zufällig, auf halbem Weg, trafen wir einen Freund aus Barcelona, der sich auch „Estelades auf den Gipfeln“ angeschlossen hatte. Aus 2 Personen wurden 7, die mit Freuden die Estelada wehen lassen wollten.

Obwohl wir von oben den Taga sehen konnten, erlaubte uns das Wetter nicht, all die anderen Kameraden und ihre Estelades zu sehen. Aber der Gedanke daran, dass überall in Katalonien (und sogar außerhalb) sich andere Katalanen mit unserer Fahne einten, war deswegen nicht weniger bewegend. Das ist die Kraft eines Volkes.

La Blandine beteiligte sich an eine der 400 Gruppen, die an der Initiative „Estelades auf den Gipfeln“ teilnahmen. Diese Initiative wurde organisiert von einer Gruppe von Freunden, zu denen auch Eloi und Xavier zählen. Help Catalonia hat mit ihnen wenige Tage nach diesem simultanen Aufstieg gesprochen:

Welche Bilanz zieht Ihr aus diesem Projekt?

Wir ziehen eine sehr positive Bilanz hieraus, denn trotz des schlechten Wetters waren die Menschen fröhlich und zeigten eine sehr gute Voreinstellung. Wir denken bereits daran, es im nächsten Jahr zu wiederholen.

Also war Eure Idee ein voller Erfolg. Wie seid Ihr darauf gekommen?

Wir machen regelmäßig Exkursionen und dabei stellen wir in aller Regel auch eine Estelada oder eine Senyera oder irgendeine andere Fahne auf, sobald wir an der Spitze angekommen sind. Also dachten wir auf einem unserer Ausflüge: warum schlagen wir nicht vor, dass die Leute am Tag der Diada ihre Estelada auf einen der Gipfel aufstellten und sie fotografierten?

Und dieser Vorschlag überschritt schließlich Grenzen.





Ja, es wurden über 300 Gipfel erklommen, verteilt über Katalonien, Ibiza, Menorca, Mallorca, Nordkatalonien, Dänemark, Schottland, England und der Schweiz.

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Montag, 14. Oktober 2013

Sanitas verweigert die Notaufnahme einer Patientin, weil der Arztbericht auf Katalanisch war



Nach fünf Stunden musste der Bericht ins Spanische übersetzt werden

Die Krankenversicherung Sanitas verweigerte letzte Woche die Notaufnahme einer Frau, die unter einer Infektion litt und dringend ärztliche Betreuung benötigte. Der Grund sei, dass der Arztbericht auf Katalanisch geschrieben war. So wie die 8TV-Sendung '8 al Dia' berichtete, ereignete sich der Vorfall im Krankenhaus Quirón in Barcelona, wo um 19:16 Uhr die Ärzte die Notaufnahme der Patientin verschrieben. Nach etwa einer Wartezeit von fünf Stunden und Weiterentwicklung der Infektion führte Sanitas sprachliche Gründe für die Verweigerung der Notaufnahme an.

Am Schluss musste der Arzt die Notfälle beiseitelassen, den Bericht übersetzen und die Notaufnahme auf Spanisch beantragen. Im ersten Bericht auf Katalanisch jedoch wurden Worte verwendet, die auf dem ins Spanische übersetzten Bericht unverändert blieben; die wurden nämlich fehlerhaft bzw. gar nicht übersetzt.

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Sonntag, 29. September 2013

Die Francisco Franco Stiftung verlangt einen Staatsstreich


Diese Einrichtung  betrachtet  die  Verfassung von 78 als militärische Schutzmassnahme für den Fall  , das der Zusammenhalt  Spaniens in Gefahr gerät .

Die  Nationale- Francisco- Franco (FNFF)- Stifung  brachte einen Artikel  mit  der  Überschrift  “Das Militär kann nicht weiterhin vor dem  Abdriften Spaniens in die Hände von Mafias und Verrätern  schweigen , und verlangt ausdrücklich  einen Staatsstreich , um so die territoriale  Einheit und Zusammengehörigkeit  Spaniens  zu sichern .” Dieser Text, unterschrieben von dem ultrarechten Journalisten Enrique de Diego , bezieht sich auf einen  Artikel in der  Alerta Digital Zeitschrift.

Dieser Text richtet sich  direkt an das spanische Militär: ”Die Streitkräfte sind verpflichtet,  die Einheit Spaniens zu verteidigen , und die  Macht zu ergreifen.  Es ist für alle eine  grundsätzliche  Verpflichtung , mehr noch , eine hohe Ehre : Die Streitkräfte schulden es vor allem dem spanischen Staat “.

Der Artikel verliert keine Zeit des Definierens: Die Separatisten sind totalitär und Imperialisten, verlangen mehr und mehr Gebiete Spaniens. Navarra , die Etarras . Valencia und die Balearen gehören der CiU ( katalanische nationale Partei ) und der ERC ( Linke Nationale Partei )  .

Bezüglich der 78er Verfassung  sind sie der Überzeugung, dass nur  die Streitkräfte die territorial Einheit verteidigen können  und sollen  - vor der Verfassung steht die Nation. 

Beim  Öffnen ihrer Website sieht man in Buchstaben grossen Formats ein Zitat von José-Antonio Primo de Rivera (Gründer der faschischtische Partei 'Falange'): ” Wir lieben das spanische Katalonien , und da wir Katalonien so schätzen , wollen wir es immer mehr spanisch.

Diese Stiftung ist eine legale spanische Einrichtung ,   wird als uneigennützig und kulturell betrachtet . Die Spenden , die  diese Einrichtung jährlich  erhält ,  beläuft sich auf ungefähr   25 bis 35 % der Einkommenssteuer .

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Donnerstag, 19. September 2013

Interview mit Help Catalonia in der Handelszeitung

Ist ein von Spanien autonomes Katalonien überhaupt überlebensfähig? Der Ökonom und Unabhängigkeitsbefürworter Àlex Furest (Mitglied der katalonischen Unabhängigkeitsbewegung Help Catalonia) sagt klar: Ja. Die katalanische Wirtschaft werde gar richtig aufblühen.




Millionen Menschen demonstrierten gestern für die Unabhängigkeit Kataloniens. Warum gerade jetzt?


Àlex Furest*: Katalonien wartet seit dem Ende der Diktatur vor 35 Jahren, um aus Spanien einen modernen, angenehmen Staat zu machen in dem die Katalanen voll respektiert leben können - aus kultureller, sprachlicher und politischer Sicht. Darauf arbeiten die katalanischen Politiker seit 150 Jahren hin, seit der ersten Republik 1873. Doch es blieb immer ein Unverständnis von Seiten der Spanier. Das 2006 ausgehandelte Autonomiestatut wurde dann im spanischen Parlament und dann vom Verfassungsgericht verwässert. Die Folge ist ein wachsender Frust bei den Katalanen. Die Wirtschaftskrise verstärkte dieses Gefühl.



Wie stark wurde die Provinz durch die spanische Krise getroffen?


Die Folgen sind schmerzhaft. Es gingen viele Stellen verloren und viele Unternehmen gingen pleite. Die Budgetkürzungen in Madrid führten zu einer Finanzierungslücke bei der katalanischen Regierung. Daher musste sie bei Gesundheit und Bildung sparen. Das führt zu sozialen Spannungen.



Machen gewisse Leute dafür auch die Zentralregierung in Madrid verantwortlich?

Es gibt einen Konsens, dass die Zentralregierung in Madrid die Krise in Katalonien verschlimmerte. Hinzu kommt, dass gemäss Berechnungen unserer Regierung seit 1986 rund 250 Milliarden Euro nach Madrid flossen - ohne grossen Gegenwert. Damit wurden unter anderem völlig überrissene Infrastrukturprojekte finanziert, wie etwa Hochgeschwindigkeits-Bahnlinien an Orten ohne wirkliche Nachfrage herrscht. Da gibt es mitunter Bahnhöfe, bei denen im Schnitt zwei Personen pro Monat ein- und aussteigen. Oder es wurden 44 Flughäfen für eine Bevölkerung von 47 Millionen gebaut. Deutschland hat 17 Airports für 85 Millionen. Oder das riesige spanische Autobahnnetz, auf dem vielerorts fast keine Autos unterwegs sind - das ist Irsinn!



Ein grosser Markt für katalonische Firmen ist jedoch Spanien. Risikieren Sie nicht, Aufträge zu verlieren?


Es gibt eine seriöse Studie von zwei katalanischen Ökonomen dazu. Sie fanden heraus, dass die Folgen eines allfälligen Boykotts Spaniens durch das Wegfallen der Überweisungen nach Madrid aufgewogen würden. Man muss zudem sehen, dass sich solche Boykotte normalerweise auf den Konsum auswirken und nicht den industriellen Handel. Es würde also nicht zu einer Katastrophe kommen, wie viele Befürworter des Verbleibs bei Spanien postulieren.



Was würde denn ein unabhängiges Katalonien wirtschaftlich bringen?


Katalonien hat ein Bruttoinlandprodukt von 200 Milliarden Euro. Das ist nicht wenig. Wenn wir die Überweisungen nach Madrid stoppen, dann können wir in die Infrastruktur investieren und zu einem Land wie Dänemark und Österreich werden.



Aber ist die Bewegung nicht ein Stück weit egoistisch? Am Ende profitierten Spanien und Katalonien doch gegenseitig voneinander.


Katalonien wurde seit jeher ausgenutzt. Das geht ganz lange zurück. Die Regierung in Barcelona muss seit Jahrhunderten hohe Steuern nach Madrid abliefern. Doch einen richtigen Gegenwert erhielt sie nie. Das Geld versickerte in unrentablen Investitionen. Das sieht man schon daran, dass trotz Finanzausgleich Regionen wie Andalusien oder die Extremadura noch heute eine Arbeitslosigkeit von 35 bis 40 Prozent aufweisen. Die Folge für die Katalanen: Die katalanische Regierung hat zuwenig Geld und viele Bürger müssen ihre Gesundheitsversorgung und Bildung selber zahlen.


*Àlex Furest ist Ökonom und Mitglied der katalonischen Unabhängigkeitsbewegung Help Catalonia.

Quelle: http://www.handelszeitung.ch/politik/madrid-verschlimmerte-die-krise-katalonien-495583

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Samstag, 14. September 2013

Die Via Catalana wird zu einem massiven Ruf nach Unabhängigkeit und übertrifft dabei sogar die Massendemonstration des letzten Nationalfeiertags



Die Menschenkette für die Unabhängigkeit hat das ganze Land Katalonien ununterbrochen von Nord nach Süd in einer 400 Kilometer langen Strecke vereint. Laut Schätzungen der Innenbehörde der katalanischen Regierung haben mindestens 1,6 Millionen Menschen an der Demonstration teilgenommen

Absoluter Erfolg der Via Catalana auf dem Weg in die Unabhängigkeit. Die Menschenkette, die von der katalanischen Nationalversammlung (ANC) organisiert wurde, verlief durch 400 durchgehende Kilometer, zwischen El Pertús und Alcanar, in einer Mobilisierung, die alle Erwartungen überstieg und dabei die Teilnehmerzahl der Kundgebung beim vergangenen Nationalfeiertag 2012, als eineinhalb Millionen Menschen, laut Polizei, die Straßen von Barcelona füllten, deutlich übertrief. Die riesige logistische Herausforderung wurde mit Bravour erfüllt.

Die massive Menschenkette, organisiert durch die ANC, wurde zur zahlreichsten Mobilisierung in der Geschichte Kataloniens. Es war ein massiver Aufschrei für die Unabhängigkeit Kataloniens. Die Mobilisierung war eine erneute Demonstration der Stärke, um ein Selbstbestimmungsreferendum in 2014 durchzuführen.

Die Via Catalana ist erfolgreich und auf eine völlig friedliche und fröhliche Art und Weise abgelaufen. Die Mobilisierung hat die organisatorische Fähigkeit des Landes und ihren Willen, den Weg zu einem unabhängigen Staat zu unternehmen, bewiesen.

„Hier und jetzt, erklärt die katalanische Nationalversammlung ihr Engagement für die unermüdliche Arbeit, bis Katalonien ein neuer Staat in Europa sein wird“, sagte die Vorsitzende der ANC Carmen Forcadell in der Abschlussrede. „Wir sind ein Volk, weil wir es sein wollen“, sagte Forcadell und fügte hinzu, „wir wollen Freiheit, wir wollen unser Recht auf Selbstbestimmung ausüben“.

Forcadell hat die politischen Vertreter aufgefordert, eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit im Jahr 2014 durchzuführen. „Wir wollen und wir können nicht länger warten“, rief sie und fügte hinzu, dass falls die Volksabstimmung nicht stattfinden darf, wird es unumgänglich sein, dass „die gewählten Volksvertreter die notwendigen Maßnahmen in Kraft setzen, damit Katalonien ein freier und souveräner Staat wird.

„Wir wollen in 2014, das dreihundertjährige Jubiläum unserer Niederlage, zum ersten Jahr unserer Freiheit werden lassen“, sagte Carmen Forcadell zum Abschluss.

Bereits vormittags hatten der Präsident der Regierung Kataloniens, Artur Mas, und die Vizepräsidentin Joana Ortega, eine Delegation der ANC empfangen, begleitet durch ihre Vorsitzende Carme Forcadell, mit der Bitte, dass sich die Volksabstimmung in eine konkrete Vorderung verwandle damit sich das katalanische Volk an den Wahlurnen genauso klar und demokratisch ausdrücken könne.

Assemblea Nacional Catalana (ANC), Photo: Jordi Solà

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Montag, 1. Juli 2013

Katalonen fordern Unabhängigkeit


SPANIEN Rund 90'000 Menschen haben bei einem Separatisten-Konzert in Barcelona für die Unabhängigkeit der spanischen Region Katalonien demonstriert. Im nahezu ausverkauften Fussball-Stadion Camp Nou schwenkten die Besucher gelb-rot-gestreifte Fahnen der Region.

Bei dem vierstündigen "Konzert für die Freiheit" traten zahlreiche katalanische Künstler wie die Sänger Dyango, Peret, Lluís Llach und Maria del Mar Bonet, aber auch Poeten, Politiker und Schauspieler auf. Die Besucher der vom Kulturverein "Òmnium Cultural" organisierten Veranstaltung zahlten Eintrittspreise bis 150 Euro.
Kataloniens Regierungschef Artur Mas musste wegen der Hochzeit seiner Tochter absagen, aber zahlreiche Kabinettsmitglieder waren im Stadion. "Ich hoffe, das ist das letzte Mal, dass wir das Camp Nou füllen müssen, um Freiheit für Katalonien zu fordern", rief der Ex-Präsident der katalanischen Film-Akademie, Joel Joan.
Im Streit zwischen dem Zentralstaat und Katalonien um ein für 2014 geplantes Unabhängigkeitsreferendum hatte das Verfassungsgericht in Madrid im Mai eine Souveränitätserklärung der Region vorläufig ausser Kraft gesetzt.
Katalonien ist eine der reichsten Regionen Spaniens und hat schon heute einen Autonomiestatus und eine eigene Polizei. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung will aber mehr Autonomie-Rechte, etwa die Hälfte tritt für die Gründung eines eigenes Staates ein.

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Donnerstag, 13. Juni 2013

Europäischen Bürgerinitiative für die Minderheiten / Volksgruppen in Europa ins Leben gerufen


Auf Initiative der ungarischen Minderheit in Rumänien – dem FUEV-Mitglied „Demokratische Allianz der Ungarn“ (RMDSZ) sowie unterstützt von der „Südtiroler Volkspartei“ (SVP) – FUEV-Mitglied aus Südtirol - wurde die Idee einer Europäischen Bürgerinitiative für die Minderheiten / Volksgruppen in Europa ins Leben gerufen. Beim FUEV-Kongress 2011 in Eisenstadt/ Željezno wurde die Idee einstimmig von den FUEV-Mitgliedern befürwortet.

Derzeit laufen die Verhandlungen über die konkrete Durchführung einer Europäischen Bürgerinitiative der Minderheiten / Volksgruppen.

Die Europäische Bürgerinitiative ist ein durch den Vertrag von Lissabon beschlossenes Instrument der direkten Demokratie in der Europäischen Union. Von ihr kann seit dem 1. April 2012 Gebrauch gemacht werden.

Durch die Bürgerinitiative können die Unionsbürger bewirken, dass sich die Europäische Kommission mit einem bestimmten Thema befasst.

Die Europäische Kommission kann durch Unterstützungsbekundungen von mindestens einer Million Unionsbürger, aus mindestens sieben Mitgliedstaaten aufgefordert werden, einen Rechtsakt zu einem Thema vorzuschlagen, zu dem es nach Ansicht der Initiatoren einer Regelung bedarf. Die Unionsbürger werden damit in Bezug auf das Aufforderungsrecht auf dieselbe Stufe gestellt wie das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union, die dieses Recht nach Art. 225 bzw. Art. 241 AEU-Vertrag genießen.

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Freitag, 7. Juni 2013

Spanien : der faschistischen Hierarchien



Spanien ist der einzige europäische Staat, der den faschistischen Hierarchien, die die Macht durch Gewalt übernahmen und 40 Jahre lang behielten, nicht bestraft hat. In Wirklichkeit, die Legalität der jetzige spanische Demokratie stammt, auf reformistischen Weg  von dem roten Faden der den aktuellen Regime mit den Aufständischen von 1936 verbindet, wie  der aktuelle König, der ursprünglich vom Diktator gewählt wurde, mit seiner ständige Presenz zeigt
Das ist nicht der Fall in Katalonien. Artur Mas ist der Präsident Kataloniens als legitimer Nachfolger von Francesc Macià und Lluís Companys und selbst Josep Tarradelles kam 1977 zurück - als provisorischer Präsident- dank der ursprüngliche Legalität der Wahlen vom Februar 1936. Tatsächlich, alle katalanische Parteien – außer die zwei unionistischen Parteien PP und Ciutadans – betrachten sich als verbunden mit dieser republikanischen Legalität.
Diese zwei Legalitäten haben parallel in den letzten drei Jahrzente zusammenexistiert . Und das hat unvermeidlich zwei verschiedene Arten von demokratische Sensibilität und des politischen Diskurses hervorgebracht. Deswegen gibt es in Spanien Persönlichkeiten wie Rodríguez Ibarra  (sozialist und ex-Ministerpräsident der Region Extremadura) der behauptet, dass jeder Versuch die Verfassung umzugehen ein Staatsstreich ist, und das ist letztendlich ist was Katalonien erreichen vorhat: ein Referendum wo nur die Katalanen bestimmen können. Er hat PräsidentMas mit Hitler und Mussolini verglichen , glücklicherweise eine Seltenheit in der demokratischen Europa.
Salvador Cot

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Donnerstag, 16. Mai 2013

Leserbrief an Die Zeit



Dienstag den 11. September 2012 demonstrierten anlässlich des katalanischen Nationalfeiertags in Barcelona zwei Millionen Katalanen für einen eigenen Staat. Wir, die Assemblea Nacional de Catalunya, haben diese Demonstration organisiert. Es war die größte Demonstration der europäischen Geschichte seit 1945.

Eine deutsche Demonstration ähnlicher Bedeutung hätte zwanzig Millionen Menschen auf die Straße bringen müssen. Die größte deutsche Demonstration gab es am 4. November 1989 in Ost-Berlin; sie versammelte eine halbe Million Menschen. Daß zur Demokratie auch die nationale Selbstbestimmung gehört, galt in Deutschland damals noch. Auch katalanische Zeitungen nahmen das zur Kenntnis.

Dem deutschen Leser der „Zeit“ hingegen wurde das jüngste europäische Großereignis in Barcelona nicht einmal mitgeteilt. In der Ausgabe am Donnerstag dem 13. September 2012 gab es dazu keine einzige Zeile. Eine Woche später war es nicht besser; die Zeit-Redaktion schwieg uns weiter tot. War das Qualitäts-Journalismus? Wir wundern uns sehr.
In der letzten Ausgabe vom 22.11.2012 schreibt Herr Jochen Bittner unter dem Titel „Am prächtigsten allein“ nun doch einen Artikel zu Katalonien. Wird der Zeit-Leser diesmal informiert? Keineswegs. Der Autor will nur seine These vertreten („Reiche EU-Regionen wollen raus aus ihren Staaten“). Über unser Land erfährt der Leser leider nichts. Stattdessen Klischees und Verachtung. Wir staunen.

Die spanische Verfassung degradiert unsere Nation schon zur „Region“. Herr Bittner hilft nach, so sind wir nur noch eine „kleine Region“. Von dort rufen wir angeblich „immer lauter“ nach einem „Ministaat“. Zwar haben elf der siebenundzwanzig Nationen der Europäischen Union weniger Einwohner als Katalonien. Aber Deutschland ist natürlich größer! Wir sind zerknirscht.

Herr Bittner sucht Gründe und wirft uns „Lokalismus“ vor. Wir wären von der Globalisierung überfordert und hätten leider kein „echtes Wissen darüber (…) wie mit Abermilliarden Euros jongliert wird“ und seien von „der Sehnsucht nach heiler kleiner Welt“ getrieben. Von den acht Prozent des katalanischen Inlandproduktes, die wir – wie keine andere Nation in Europa! – jährlich an die spanische Nachbarnation abgeben, weiß Herr Bittner nichts. Wir sind verblüfft von dem Hamburger Lokalismus.
Unser „Neo-Biedermeier“ sei aber keineswegs harmlos, sondern „mit anderen Affekten gemischt“. Der katalanische Wunsch, als normale europäische Nation respektiert zu werden (bei Bittner heißt das „Separatismus“) geht angeblich einher „mit Zorn, Missgunst und Überlegenheitsgefühlen“. „Diese Mischung (sei) gefährlich, weil Europa sie noch nie erlebt hat“. Noch nie erlebt? Was projiziert der offenbar sehr deutsche Herr Bittner hier auf andere Völker?

Unser „Nationalismus“ sei ein „Antistaatsnationalismus“ und der widerspreche der heute nötigen „Solidarität der Staaten“. Was denn nun? Die katalanische Nation wird ihren Staat mit soviel Staatlichkeit ausstatten wie die Deutschen den ihren. Und woher weiß Herr Bittner, dass wir uns an den europäischen Strukturfonds nicht beteiligen werden – übrigens als Netto-Zahler! – wie die Deutschen auch? Kennt er das Programm der katalanischen Parteien?
Es gehe den „Katalanen nicht um Freiheit oder Selbstverwirklichung. Kein Katalane wird ernsthaft behaupten können, Madrid unterdrücke ihn“. Kein Wort zur Asymmetrie zwischen der spanischen und katalanischen Nation im spanischen Staat, kein Wort zu den Verfassungskonflikten der letzten Jahre, kein Wort zur Diskriminierung der katalanischen Sprache und Kultur. Herr Bittner teilt dem deutschen Leser keine Kenntnisse über Katalonien mit. Hat er welche?
Macht nichts. Wo Herrn Bittner das Wissen fehlt, ist das Urteil umso kategorischer: Das Motiv der Katalanen laute, „Solidarität zurückzufahren auf die kleinste gemeinsame Gruppe“. Und die Katalanen seien „nicht bereit den Euro aufzugeben, sollten sie unabhängig werden”. Das zeige „wieviel Gratis-Mut in ihren Bewegungen steckt“. Auf gut deutsch: Wir Katalanen sind geizig und feige!

Einmal nähert sich Herr Bittner dem Kern der Sache. Er erwähnt die „Pathologie des Nationalismus, der andere Völker für minderwertig erklärt“. Nur, wen meint er dabei? Wir kommen ins Grübeln. Die Zeit-Redaktion sollte dasselbe tun.
Gestern am 25. November 2012 haben die Katalanen ein neues Parlament gewählt. Die große Mehrheit der Abgeordneten (87 von 135, also 64 Prozent) werden von Parteien gestellt, deren Politik auf die rechtliche Gleichrangigkeit der katalanischen mit der deutschen Nation hinausläuft. Werden die Deutschen das ertragen?
Wird die Redaktion der „Zeit“ diesmal ihrer journalistischen Pflicht genüge tun, die deutsche Öffentlichkeit umfassend zu informieren, dabei katalanische Quellen zu verwenden und mit den Katalanen so respektvoll umzugehen wie mit den Polen und den Tschechen. Das hat sie doch auch gelernt. Qualitäts-Journalismus eben!
Auf diesem Weg helfen wir Ihnen gerne.

Unsere Antwort auf den Artikel von Jochen Bittner “Am prächtigsten allein” veröffentlicht in “Die Zeit” vom 22. Novembre 2012.

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