Samstag, 26. September 2015

Betr. “Katalanen proben die Unabhängigkeit” von S. Bastaroli, Die Presse 24.09.15

Sehr geehrte Damen und Herren,

Erlauben Sie mir folgende Bemerkungen über den o.g. Artikel:

-Die radikale Linken gehören nicht zu der “Mas bunte Anti-Spanien-Koalition”. Ein Teil davon (CUP) hat eine eigene Liste, die auch für die Unabhängigkeit ist. Der Rest der radikale Linke hat sich mit den spanischen Partei Podemos einer anderen Liste angeschlossen, die sich für den Verbleib in Spanien ausspricht.

-Aus Brüssel ist nur gesagt worden, was eine Selbstverständlichkeit ist: dass Katalonien nicht automatisch Mitglied der EU bleibt. Aber die meisten Experten (natürlich nicht die von den spanischen Regierung) meinen, dass aus vielen Gründen die Verhandlungen über die neue Admission Kataloniens in der EU sehr rasch erfolgen würden. Auch der Anschluss an den Binnenmarkt ginge keineswegs verloren. Notfalls könnte ein bilateraler Vertrag (Wie bei Norwegen oder die Schweiz) aushelfen.

-Das neue Autonomiegesetz wurde 2011 nicht nur als Verfassungswidrig deklariert weil Katalonien darin als Nation bezeichnet wurde. In Wirklichkeit wurden als Verfassungswidrig eine Reihe von Artikeln des Gesetzes, die für Katalonien viel grössere Kompetenzen bei Finanz, Wirtschaft, Bildung und Kultur bedeuteten. Dadurch wurde die katalanische Autonomie bis zur Lächerlichkeit demontiert.

-Gekränkter Stolz, anders als bei den Spaniern, spielt für den Katalanen keine Rolle. Wohl aber die ständige Beschneidung der katalanischen Kompetenzen in allen Bereichen und die Vernachlässigung der katalanischen Infrastruktur zugunsten des Baus leere Flughäfen, unrentablen Bahnlinien und aufgeblähte Verwaltungen (während Katalonien die spanische Region mit den geringsten Beamtenzahl je 1000 Einwohner ist.)

Mit freundlichen Grüße

Pere Grau
Hamburg

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Mittwoch, 17. Juni 2015

Antwort auf den Brief des spanischen Botschafters Garcia-Berdoy: “Katalonien? Eine Sache aller Europäer!”





Am 9. Mai veröffentlichte die FAZ einen Brief des spanischen Botschafters in Berlin als Antwort auf einen Artikel des katalanischen Präsidenten Artur Mas vom 9. April.

Der Titel “Eine Sache aller Spanier” fasst die Grundaussage des Botschafters zusammen: die politische Zukunft Kataloniens ist eine interne Sache Spaniens, die von allen Spaniern entschieden werden soll.

Um zu verstehen, was das bedeutet, muss man erklären, dass wir Katalanen 16 Prozent der spanischen Bevölkerung darstellen. Wenn die Gesamtheit Spaniens über die politische Zukunft Kataloniens entscheiden soll, braucht man nicht lange zu rechnen, um zu sehen, dass die katalanische Meinung gegen die Meinung von 84 Prozent der Spanier immer in der Minderheit sein wird. Deshalb bleibt die Meinung der Katalanen wirkungslos, und die Zugehörigkeit der Katalanen zum spanischen Staat wird zu einem Zwang und nicht zu einem Willensakt.


Der Botschafter meint, wenn wir es wollen, könnten die Katalanen vorhandene Mechanismen nutzen, um die spanische Verfassung zu ändern. Den Mechanismus gibt es durchaus, aber der ist für die Katalanen in der Praxis nicht nutzbar. Katalonien verfügt über 47 Abgeordnete im spanischen Parlament, es sind aber mindestens 210 von 350 Stimmen notwendig, um die Verfassung ändern zu können. Es ist wahr, dass die Verfassung von 1978 durch eine überwältigende Mehrheit der Katalanen angenommen wurde. Aber welche Alternative hatten sie?


Die Lösung des katalanischen Problems ist nur durch einen Pakt zwischen den politischen Repräsentanten Kataloniens und dem spanischen Staat möglich. Es muss zu einer Vereinbarung kommen, die auf Verhandlungen und dem Konsens beider Seiten basiert. Das wurde schon mit dem neuen katalanischen Autonomiestatut von 2006 versucht. Das Statut von 1979 sollte aktualisiert werden, um es gegen die ständigen zentralisierenden Einmischungen seitens des spanischen Staates zu schützen, die seit der Regierung von José María Aznar in Gang gesetzt worden waren. Das katalanische Statut von 2006 wurde im spanischen Parlament verhandelt und verabschiedet, vom spanischen König unterzeichnet, und von den Katalanen in einem Referendum angenommen. Danach wurde das Statut aber Gegenstand einer Klage von der jetzt regierenden Volkspartei (Partido Popular) vorm Verfassungsgericht. 2010 erging ein Urteilspruch dieses Gerichts, der das katalanische Statut verstümmelte, in manchen Bereichen in die Selbstverwaltung Kataloniens hineinregierte, bis hin zu einem schlimmeren Zustand als in der Zeit des Postfrankismus. Das Verfassungsgericht ist ein hochpolitisiertes juristisches Organ, in dem z.B. der Vorsitzende ein ehemaliges aktives Mitglied der Fuerza Nueva (Neue Kraft: eine Partei der ultrarechte Anhänger von Franco) und zuletzt auch aktives Mitglied der PP war. Das Urteil von 2010 des Verfassungsgerichts baut eine unüberwindbare Mauer für die Katalanen auf; es ist ein Urteil das der Jurisprudenz die Hände bindet und es gibt keinen legalen Mechanismus, um dagegen anzugehen oder eine Revision zu erreichen.


Ab 2010 befindet sich die Selbstverwaltung Kataloniens in einer Sackgasse, und die Lage verschärft sich durch die Aggressivität der Regierung Rajoys, die ein Ausmaß erreicht hat, das seit der Franco Diktatur nicht mehr zu sehen war. Die Unabhängigkeitsbewegung wächst außerordentlich an, weil die Bürger feststellen, dass Katalonien innerhalb Spaniens keine Chance auf sein politisches und kulturelles Überleben hat.


Abgesehen von den Ursachen, die die Unabhängigkeitsbewegung beflügeln, können wir als Demokraten nicht akzeptieren, dass der spanische Staat uns das Recht, selbst zu entscheiden, mit der Ausrede verweigert , dass die spanische Legalität das nicht zulasse. Das Gesetz kann reformiert werden, wenn der politische Wille vorhanden ist. Das Gesetz an sich ist kein Synonym von Demokratie. Denn totalitäre Staaten bleiben totalitär, auch wenn sie Gesetze haben. Die Ignoranz der spanischen Regierung ist es, die uns in die jetzige Lage gebracht hat.


Wir Katalanen appellieren an das demokratische Bewusstsein der Europäer und bitten, dass diese auf die spanische Regierung einwirken, so dass sie den Willen der Katalanen, ihre Zukunft selbst zu entscheiden, akzeptiert. Europa kann sich nicht die Hände in Unschuld waschen. Die Haltung der Regierungen von Großbritannien und Kanada in Bezug auf Schottland und Quebec sollte als Modellbeispiel für Konflikte gelten, die all zu oft gewaltsam gelöst wurden. Wenn der ukrainische Konflikt eine Angelegenheit Europas ist, sollte der katalanische es umso mehr sein, da die Möglichkeit besteht, ihn friedlich zu lösen. Dänemark hat es verstanden und eine große Mehrheit des dänischen Parlamentes hat sich dafür ausgesprochen den politischen Konflikt zwischen Katalonien und Spanien durch einen friedlichen demokratischen Dialog zu lösen.

ANC Deutschland

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Samstag, 1. November 2014

Katalonien träumt gefährliche Wunschträume






Brief an der Frankfurter Allgemeine Zeitung über den Artikel von Leo Wieland "Katalonien träumt gefährliche Wunschträume", in der FAZ vom 30.10.14.


Sehr geehrter Herr Frankenberger,

Sehr geehrter Herr Kohler,

Sehr geehrter Herr Nonnenmacher,


In den letzten Jahren habe ich mehrmals auf die Unsachlichkeit der Artikeln Leo Wielands angewiesen, wenn diese sich auf Katalonien bezogen. Um am Ende von Ihnen nicht als ewiger Querulant abgestempelt zu werden, hatte ich damit aufgehört, obwohl ich mehr als einmal einen Grund zum Protest gehabt hätte.

Der o.g. Artikel von Herr Wieland, kann man aber nicht unkommentiert durchgehen lassen. Um es erst einmal meinen Eindruck zusammen zu fassen: für Herrn Wieland ist alles Negative was von spanischer Seite über Katalonien verbreitet wird, so wahr wie das Evangelium für einen Gläubigen. Aber alles, was von katalanischer Seite dagegen argumentiert wird, ist falsch, verlogen oder Wunschträumerei. Ich werde meine Kritik sehr schematisch darlegen müssen, um Ihre Geduld nicht über Gebühr zu strapazieren. Für weitere von Ihnen gewünschte Erläuterungen stehe ich selbstverständlich jederzeit zu Ihrer Verfügung. Und jetzt zu den Behauptungen von Herrn Wieland.

- Schottland ist mehrere Jahrhunderte lang ein unabhängiges Königreich. Katalonien aber nicht. Falsch. Katalonien war unabhängig ab 988 bis 1714, erst allein, dann konföderiert mit Aragonien und später konföderiert mit Kastilien als Königreich Spanien. In Katalonien galten nur die Gesetze, die vom katalanischen Parlament verabschiedet wurden, und kein König Spaniens war König Kataloniens ohne seinen Eid auf die katalanischen Gesetzen geleistet zu haben.

-"Über die Kosten und Risiken dieses politischen Abenteuers reden die katalanischen Nationalisten nur ungern". Falsch. Es gibt sehr viele Studien darüber. Es wurden und werden überall in Katalonien Vorträge darüber abgehalten, und nirgendwo meint man (wie Ihrer Korrespondent behauptet), dass die Unabhängigkeit die Tür zum Schlaraffenland sei. Es werden immer nur die Sachargumente gegen die Angstmache aus Madrid erläutert. Ein Beispiel von vielen können Sie finden in der englischen Version eines von katalanischen Wirtschaftswissenchaftlern geschriebenen Buches "The Economy of Catalonia":

http://www.profiteditorial.com/libros-de-empresa-y-negocios/publicacions-en-catal%C3%Ao/economy-catalonia


- "...dann gäbe es keinen lästigen innerspanischen Finanzausgleich mit ärmeren Regionen... Milch und Honig, so der Wunschtraum, begännen zu fließen". Falsch. Die Katalanen haben nie etwas gegen eine Solidarität mit ärmeren Regionen gehabt, wohl aber dagegen, dass diese Solidarität weit über die Möglichkeiten Kataloniens in unerträglicher Masse beansprucht werden würde. Und Ihr Korrespondent sollte eigentlich wissen, dass die Katalanen nicht als Träumer gelten sondern, dass sie den Ruf haben höchst nüchtern und pragmatisch zu sein. Und wir sind es jetzt mehr denn je.

- "Unabhängigkeitsskeptische Analysten der Societat Civil Catalana zeichneten gerade ein düsteres Panorama vor: eine Spaltung würde in Katalonien einen Kollaps und eine permanente Krise auslösen". Falsch. Diese SCC (Katalanische Zivilgesellschaft) ist eine sehr kleine und bedeutungslose Gruppe von rabiaten Gegnern der Unabhängigkeit. Sich auf die Meinung dieser Leute zu berufen, ist vergleichbar mit dem Versuch eine Studie über die deutsche Demokratie mit der Meinung der NPD zu begründen. Das Umfeld dieser Leute besteht grösstenteils aus Nostalgikern der Franco Diktatur und rassistischen Xenophoben.

- Der Handelsaustausch mit Spanien ist 45 % des Gesamtvolumens. Falsch. Zur Zeit ist es ungefähr ein Drittel, Tendenz absteigend. Ein spanischer Boykott würde Spanien mehr Schaden als Katalonien.

- Die ausländischen Investitionen würden wegen der Unsicherheit austrocknen. Sehr zweifelhaft. 2013 und 2014 sind die ausländischen Investitionen in Katalonien, trotz des sich abzeichnenden Weges zur Unabhängigkeit, nicht vermindert sondern gesteigert worden, und die in Katalonien tätigen Firmen haben in der Regel Pläne, um sich an die Veränderungen flexibel anzupassen.

- "Katalonien... ist mit mehr als 60 Milliarden Euro die am stärksten verschuldete Region Spaniens...liegt zunehmend am Madrider Tropf...und hatte Milliardentransfusionen der spanische Regierung nötig um die Löhne im öffentlichen Dienst bezahlen zu können". Dazu folgendes in Stichworten: 60 Milliarden Schulden entspricht weniger als 30 % des katalanischen BIP. Viel weniger als fast alle europäischen Länder und keine Tragödie, wenn Katalonien über seine eigene Mitteln verfügen könnte. Was die "Hilfe" der Madrider Regierung angeht, kann man es sich wie folgt vostellen: erst nimmt Madrid aus Katalonien jährlich zwischen 10 und 14 Milliarden mehr als es sollte und leiht dann von diesem Geld (gegen saftige Zinsen) einen Teil an die katalanische Regierung um Probleme zu lösen, die man mit einer gerechten Behandlung nicht hätte. Soviel zu der "Solidarität" Madrids.

-"Katalonien müsste 100 Milliarden der spanischen Schulden übernehmen, und wäre zu klären wer denn nun die Renten zu bezahlen hätte". Erstens: Katalonien wird nur einen Teil der spanischen Schulden übernehmen, wenn mit Spanien ein einvernehmlicher Weg zur Unabhängigkeit vereinbart ist. Eine Verpflichtung dazu besteht nicht. Das wäre Verhandlungsmasse für eine Einigung mit Spanien. Es würde dann aber nicht nur über Passiva sondern auch über Aktiva zu sprechen sein, was die Last der übernommenen Schulden abfedern würde. Und die Renten würden kein Problem sein, da sie (wie in Deutschland) von den laufenden entsprechenden Lohnabgaben finanziert werden.

-"Katalonien würde nicht in der EU bleiben können". Das ist keineswegs ausgemacht, da keinen Präzedenzfall gibt und keine Regelung dafür existiert. Aber auch ausserhalb der EU könnte es durch eineb Status wie die EFTA Länder mit bilateralen Verträge nmit der EU bequem überleben.

-Herr Wieland zitiert wieder den Korruptionsfall in der Familie Pujol. Was da am Ende an Strafbaren ans Licht kommt, wird entsprechend geahndet werden, sei es von spanischen oder von katalanischen Gerichten. Aber dieser Fall, so enttäuschend er für die Katalanen ist, hat keinerlei Einfluss auf den Unabhängigkeitsprozess. Er gehört zur Vergangenheit, und man möchte durch eigene Gesetze solche Fälle in Zukunft wesentlich zu erschweren .

Zu diesem Artikel von Herrn Wieland, genau wie zu seinem Vorherigen vom 17.10 "Die freie Wille der Vollstrecker", könnte ich noch ein paar Seiten schreiben. Ich habe aber schon genug Ihre Geduld strapaziert. Die Katalanen, die in Deutschland leben sind (um es höflich auszudrücken) nicht gut auf Herr Wieland zu sprechen. Ich würde mir von einer der besten Zeitungen der Welt, wie es die FAZ ist, eine objektivere Berichterstattung über meine Heimat wünschen.

Mit freundlichen Grüße

Pere Grau


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Samstag, 24. Mai 2014

Stanic: “Ein Spanien ohne Katalonien würde auch außerhalb der Europäischen Union bleiben”

Die Anwältin, die auf internationale Streitbeilegung spezialisiert ist, ist der Auffassung, dass: “Katalonien darauf bestehen muss, dass es sich nicht um eine Sezession, sondern um die Auflösung Spaniens handelt”, wie sie in einem Interview mit der Zeitung Ara äußerte.



Die Anwältin Ana Stanic ist der Meinung, dass “ein Spanien ohne Katalonien auch außerhalb der Europäischen Union bleiben würde.” Stanic, Tochter einer der Zuständigen des slowenischen Unabhängigkeitsreferendum von 1990, ist Gründer der Firma E&A Law und arbeitete für die renommiertesten Kanzleien Londons.

In einem Interview mit der Tageszeitung Ara sagt die Anwältin: “Katalonien muss darauf bestehen, dass es sich nicht um eine Sezession, sondern um eine Auflösung des spanischen Staates handelt. Katalonien ist ein wichtiger Teil dessen. Wenn es unabhängig wird, hört das ursprüngliche Spanien auf zu existieren und die Staaten, die daraus entstehen, sind Erben des aufgelösten Staates.” “Dies ist vor allem wichtig für die EU-Mitgliedschaft Kataloniens”, erklärt sie, “und die des Rest Spaniens: entweder bleiben beide Gebiete in der EU, oder beide sind ausgeschlossen”. “Spanien ohne Katalonien wäre ein anderes Land. Ich sehe nicht ein, wieso nur Katalonien den Wiedereintritt verlangen müsste. Wenn es soweit kommt, müsste auch Spanien das tun”, ist ihr Urteil.

Stanic erklärt, dass “genauso wie es in Katalonien passiert ist, wurde in Slowenien die Unabhängigkeit auch vom Volk angetrieben” und dass die Politiker später hinzugekommen sind. Sie beschreibt, dass es bis zum letzten Moment Unsicherheiten gab, denn obwohl die Volksabstimmung mit 88,5% Ja-Stimmen endete, gab es Monate vor dem Termin der Abstimmung, dem 23. Dezember 1990, kein Unabhängigkeitsstreben in der Mehrheit.

“In Slowenien haben sich die Anhänger der Unabhängigkeitsprozesses diesem abgewandt, als sie merkten, dass es ernst war. Es gibt einen Moment an dem ein point of no return überschritten wird und die Unterstützung für die Unabhängigkeit unaufhaltsam sein wird. Ich weiss nicht, ob das in Katalonien schon passiert ist.”

Voller Sicherheit steht sie hinter dem Recht zu Entscheiden der Katalanen: “Meinungsfreiheit ist ein demokratisches Grundrecht. Es gibt keine gesetzliche Rechtfertigung, sich zu widersetzen.”

Schließlich erläutert Stanic die internationale Rechtssituation bezüglich einseitiger Erklärungen: “Im Fall Kosovo wurde durch die Position des Internationalen Gerichtshofs klar, dass es im internationalen Recht nichts gibt, was eine einseitige Erklärung verbietet. Das Völkerrecht beinhaltet nicht die Möglichkeit der Sezession, verbietet sie aber auch nicht. Es kümmert sich einfach nicht darum. Es könnte daher so argumentiert werden, dass es dadurch illegal ist.”

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Freitag, 28. März 2014

Verfassungsgericht erklärt Katalonien-Referendum für unrechtmäßg





Das spanische Verfassungsgericht hat die geplante Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Kataloniens für unrechtmäßig erklärt. Die Region im Nordosten könne auf keinen Fall einseitig ein Referendum anberaumen.
Katalonien zählt wirtschaftlich zu den stärksten Regionen Spaniens. Die Katalanen beklagen aber seit langem, Madrid ziehe ihre Steuergelder ab und verteile sie an ärmere Regionen. Viele Einwohner befürworten daher eine Unabhängigkeit. Nun hat das spanische Verfassungsgericht die für den 9. November geplante Volksabstimmung über einen eigenen Staat in der nordöstlichen Region Spaniens für unrechtmäßig erklärt.

Eine Region könne "nicht einseitig ein Referendum zur Selbstbestimmung ansetzen", urteilte das Gericht am Dienstag. Zur Begründung hieß es, Katalonien sei "kein eigenständiges politisches und juristisches Subjekt".
Zudem hieß es im Urteil des Madrider "Tribunal Constitucional": Die vom katalanischen Parlament im Januar 2013 verabschiedete Erklärung sei "nichtig und verfassungswidrig". Die Richter erkennen zwar das in der Deklaration von Barcelona erwähnte "Selbstbestimmungsrecht" der Katalanen an, dieses dürfe aber nicht mit der Verfassung kollidieren. Volksabstimmungen könnten nur von der Zentralregierung in Madrid angesetzt werden. Katalonien und die 16 übrigen autonomen Regionen Spaniens hätten dieses Recht nicht.


Quelle

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Samstag, 15. März 2014

Werden die Katalanen wählen dürfen?

Diejenigen die die spanische Presse letzte Woche verfolgten, besonders jene die in Madrid erscheint, könnten den Eindruck gewinnen, sie sei aus 1898. Die Überschriften, wenig unparteiisch aber dafür  um so reisserischer , sprechen von einer „Separatistenbedrohung“ und die wichtigsten politischen Parteien verkünden ihre Unterstützung für den Staat und ihre unflexible Haltung gegenüber jenen, die gegen die „unauslösliche Einheit Spaniens“ agitieren.

Im Gegensatz zu 1898 befinden sich die Separatisten nicht in der fernen Karibik und nicht auf Kuba, sondern von der demokratischten Form überhaupt: die Wahl.  Der Alarm erreicht hysterische Werte, weil die Katalanen wagten  , selbständig   ein Datum des Referendums zu setzen ,dem spanischen Staat weiterhin  anzugehören oder sich als selbständige Nation zu organisieren. Da der Zentralstaat sich weigert überhaupt darüber zu sprechen, haben sie sich entschieden selber das Referendum einzuberufen.

Die Entscheidung darüber wurde von den politischen Parteien getroffen, die die Mehrheit der Katalanen vertreten und ausserdem über eine zweidrittel Mehrheit im autonomischen Parlament verfügen, sodaß die Verabschiedung  der Entscheidung gesichert ist. Nach mehreren gemeinsamen Verhandlungen  einigte man sich in den wichtigsten Fragen des Referendums und legte es auf den 9. Nov. 2014 :
1.    Wollen die Katalanen, dass Katalonien ein Staat wird ?
Und wenn die Antwort positiv ist: , wird die folgende Frage sein :
2.    Soll dieser Staat unabhängig sein ?

Der Verhandlungsprozess dauerte mehrere Monate. Die Mehrheit der politischen Parteien und Gruppen unterstützen die Unabhängigkeit, auch „Convergencia i Unió, die aktuelle Regierungspartei Kataloniens.  Der Bündnispartner „Unió“ neigt mehr zu einer Art freien Verbindung zu Spanien. Daher kommt diese Doppelfrage, die erste befriedigt die UDC und die zweite die Unabhängigkeitsanhänger.


Obwohl diese Zweideutigkeit die Tür zu einer anderer Lösung als die Unabhängigkeit öffnen könnte, wie eine bekannte Londoner Zeitschrift meinte, war die Reaktion der Zentralregierung eine totale Ablehnung,  jegliche freie Selbstbestimmung verneinend. Zu dieser ablehnender Haltung der vereinigten spanischen Nationalisten gesellte sich die spanische sozialistische Partei ( PSOE ) der parlamentarischen Opposition .


Diese immer hochtrabender Mauer bildete sich sofort, daß die katalanischen Parteien, ermutigt durch den Referendumspakt zwischen Großbritanien und Schottland, das Recht  verlangten, ihrer eigenen politischen Zukunft zu entscheidenDiese Madrider Mauer konnte aber bisher nicht den Prozess zur Selbständigkeit bremsen, sondern erreichte eher das Gegenteil. Die Katalanen arbeiten unermüdlich für diese Abstimmung gegen die Meinung der konservativer Zentralregierung und der ihr unterstützenden PSOE.Von Europa aus hört man Stimmen, die sich für eine versöhnlichere Haltung ausprechen und die multinationale Realität zu anerkennen.

Der Financial Times aus London, in einen Leitartikel, veröffentlichte die katalanische Haltung, mit grossem Wiederhall in Europa, und so gut wie keinen seitens der spanischen Regierung.

Interessanterweise war die Volkspartei , PP, der eigentliche  Urheber der gegenwärtigen Konfrontation zwischen Europa und Katalonien.

2005 mit der PSOE als Zentralregierung an der Macht, wurde ein ernsthafter Prozess angestrebt, der die Beführwortung eines neuen autonomen katalonischen Staates anstrebte.  Obwohl die verabschiedeten Gesetze  nicht die Unabhängigkeitsbewegung zufrieden stellte , hauptsächlich vertreten in der ERC – Partei , bedeutete es doch im Vergleich zum alten Status ,  einen wichtigen Schritt vorwärts.  Im neuen Text war die Katalanische Nation anerkannt und bildete so einen legalen akzeptierbaren Rahmen zum Schutz ihrer  Sprache, ihrer  Kultur und ihrer geschichtsträchtigen Institutionen . Dieser Prozess wurde auch durch die Teilnahme mehrerer Instanzen legitimiert. Er entwickelte sich im katalanischen Parlament , führte über den spanischen Kongress und letztendlich wurde von den Katalanen in einem Referendum verabschiedet.

Nach diesem intensiven Prozess wurde das historische „katalanischen Problem“ zur Akte gelegt und alles schien seinen Weg zu gehen. Sobald aber dieses Statut verabschiedet wurde klagte die damalige  PP als Opposition vor dem Verfassungsgericht, wo die meisten der konservativen Richter das Gesetzwerk verwässerten und 14 Artikel davon für null und nichtig erklärten.  Dabei ging es besonders  um die Kompetenzen in Fragen der Sprache, Kultur und Eigenständigkeit . Mit diesem vernichtenden Urteil wurde der Wunsch der Katalanen nach Unabhängigkeit   wieder sehr gestärkt und man kam zu der Überzeugung, dass die katalanischen Institutionen sich nur in der Unabhängigkeit weiterentwickeln konnten.

Jetzt spricht die Mehrheit der Katalanen von Unabhängigkeit, nicht von Autonomie, und die spanischen Rechten, die von der Ernst der Lage gewahr werden, werden immer hysterischer, und keiner weiss wie weit sie gehen werden.  Zu Zeiten Francos ständen  jetzt bereits die Panzer auf den Ramblas von Barcelona . Aber heute ist Spanien ein Teil der EU und eine militärische Lösung wird nicht gern gesehen . Ausserdem bitten die Katalanen nur darum, wählen zu dürfen . Und dieses darf einem Volk mit Waffen nicht verwehrt werden.

Manuel de J González

Claridad

El periódico de la nación puertoriqueña

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