Donnerstag, 26. März 2015

Geschmacklose Tweets nach Airbus-Katastrophe

In Südfrankreich ist ein Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings abgestürzt. Behörden zufolge kamen alle 150 Insassen ums Leben. Angehörige der Verstorbenen sind in tiefer Trauer. Doch auf Twitter finden sich Menschen, die über die Tragödie lachen.
Nach dem Absturz des Germanwings-Fluges 4U9525 herrscht tiefe Trauer bei den Angehörigen der Verstorbenen. Auch in den sozialen Medien finden sich zahlreiche Beileidsbekundungen.
Doch nicht alle scheint die Tragödie sonderlich zu berühren - ganz im Gegenteil. Auf Twitter gibt es einige User, die über den Tod der 150 Menschen lachen.

Solche menschenverachtenden Tweets zur 4U9525-Tragödie finden sich auf Twitter. Twitter/ @JosepMPages

So schreibt der Nutzer Javi: "Der Flugzeugabsturz erscheint mir ein Glücksfall, sofern Katalanen an Bord waren." Ein anderer User reagiert ebenfalls menschenverachtend: "Machen wir kein Drama daraus, denn auf den Flugzeug befanden sich Katalanen, keine Menschen."
Nutzer Mancuso schreibt: "Ein Flugzeug voller Katalanen und Deutscher, das in Frankreich abstürzt" - und fügt das Hashtag hinzu: "#Winwinwin".

Quelle: Focus.dehttp://www.focus.de/panorama/welt/flug-4u9525-unfassbar-freude-auf-twitter-zur-4u9525-tragoedie_id_4567193.html

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Freitag, 9. Januar 2015

Unser Volk hat es verdient, über seine Zukunft zu entscheiden

Geben Sie Katalonien die Freiheit, abzustimmen - von Pep Guardiola, Josep Carreras und anderen führenden Katalanen.
Die Katalanen wollen abstimmen. Im Jahr 1773, gerade mal 59 Jahre nachdem Kataloniens Hauptstadt, Barcelona, von der spanischen Armee eingenommen und die katalanischen Institutionen abgeschafft wurden, führten die „Sons of Liberty” die berühmte Boston Tea Party an. Der zentrale Punkt ihrer Proteste war der Vorwurf, dass die amerikanischen Kolonien vom Mutterland Großbritannien zu hoch besteuert würden, aber ihre Klagen in London kein Gehör fänden. Diese Aktion führte zu einer Revolution, durch die letztendlich die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit erlangten und eine Verfassung aus der Taufe gehoben wurde, die zum Sinnbild für Freiheit, Recht und Demokratie wurde.

Die verärgerte Reaktion der britischen Krone auf die Bostoner Ereignisse heizte die Revolte nur an, statt sie einzudämmen, und war Auslöser dafür, dass viele einst kronentreue Siedler für sich erkannten, dass nur die Unabhängigkeit des Landes eine Wahrung ihrer legitimen Rechte garantieren könne. Trotz alledem ist auch heutzutage noch das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich eines der engsten Bündnisse der Welt, das auf gemeinschaftlichen Werten und Zielen beruht. Ein Bündnis zweier gestandener Demokratien, die sich Respekt vor Recht und Freiheit auf die Fahne geschrieben haben. Der alte Streit ist längst vergessen.

Dies ist nur eines der vielen Beispiele, das zeigt, dass ein nach Unabhängigkeit strebendes Volk, das mit Gewalt in einer vordergründigen Einigkeit gehalten werden soll, niemals der Garant zur Wahrung guter Beziehungen ist. Ganz im Gegenteil: eine für beide Seiten segensreiche, loyale und profitable Beziehung setzt in der Regel eine gute Basis voraus, die von Respekt und Zusammenarbeit bestimmt ist. Das ist genau das, was mit Spanien und Katalonien passieren könnte. Anders als Schottland, das freiwillig dem Vereinigten Königreich beigetreten war, und von diesem die Erlaubnis bekam, für oder gegen die Unabhängigkeit zu stimmen, wurde Katalonien seinerzeit erobert und verlor seine Freiheit zwangsläufig. Jetzt, nach drei Jahrhunderten und vielen Versuchen Katalonien einen zufriedenstellenden Status innerhalb des spanischen Staates zu verschaffen, wollen wir, die Katalanen, unsere politische Zukunft selber bestimmen. So, wie es die Schotten gerade vor uns gemacht haben.

Zwischen 1936 und 1939 wurden wir vom Spanischen Bürgerkrieg gebeutelt, um anschließend 40 lange Jahre eine Diktatur zu ertragen. Eine Zeit, in der uns sogar verboten war, unsere eigene Sprache in der Öffentlichkeit zu verwenden. Nach dem Tod Francos, 1975, dachten wir, dass der Übergang in die Demokratie auch die Situation Kataloniens verbessern würde. Und tatsächlich: die spanische Verfassung von 1978 gab Katalonien eingeschränkte autonome Rechte, neue Institutionen wurden ins Leben gerufen und das Verbot der katalanischen Sprache aufgehoben. Neue Hoffnung zog durch das Land, doch sollte diese nicht lange währen.

Spaniens heranreifende Demokratie machte Fortschritte und 2006 wurden weiterführende Befugnisse an Katalonien übertragen. Dreiviertel der Bevölkerung stimmte per Referendum dem neuen Autonomiestatut zu. Doch mit der Zeit wurden viele der Befugnisse wieder der Regierung in Madrid rückübertragen und das Autonomiestatut selbst, das die Unterstützung einer so großen Mehrheit der Bevölkerung hatte, 2010 vom spanischen Verfassungsgericht verstümmelt. Viele glauben, dass dies der entscheidende Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte. In diesem Moment haben viele Katalanen die Hoffnung aufgegeben, und ab diesem Moment griff der Ruf nach einem unabhängigen Staat auf breite Schichten der Bevölkerung über. Aus 14 Prozent wurden 50 Prozent der Bevölkerung, die die Unabhängigkeit unterstützten. Und 80 Prozent der Katalanen fordern ihr Recht ein, selbst zu entscheiden, ob Katalonien Teil des spanischen Staates bleiben soll oder nicht. Seit 2010, nachdem das Verfassungsgericht viele der vormals zuerkannten Befugnisse wieder aufhob, gibt es immer wieder friedliche Demonstrationen, in denen Millionen von Katalanen das Selbstbestimmungsrecht einfordern, und mit ihnen die jetzige Regierung Kataloniens und die Mehrheit der katalanischen Parteien im Parlament.

Wir, die Katalanen, unsere demokratische Regierung und unsere demokratischen Institutionen, wollen abstimmen und selbst entscheiden können, in was für einer Art von Beziehung wir mit Spanien in der Zukunft leben möchten. Um dies zu tun, haben wir ein Datum festgelegt – den 9. November 2014. Dabei geht es nicht um Abspaltung oder Unabhängigkeit, es geht um Würde und Demokratie. Wir, die Katalanen, möchten bei der Gestaltung unserer Zukunft mitsprechen, und werden den Willen der Mehrheit Kataloniens respektieren. Was auch immer das Ergebnis sein mag. So wie die Schotten in Schottland.

Die spanische Regierung argumentiert, diese Wahl sei ungesetzlich und gegen die Verfassung. Die katalanische Regierung und neutrale Rechtsexperten sind überzeugt, dass die Wahl sowohl legal wie legitimiert sei. Seit Jahren haben wir die Regierung in Madrid zu Gesprächen und Verhandlungen aufgefordert, aber anstatt zu reden und zu verhandeln zieht sich die spanische Regierung auf plumpe Abschreckungstaktik zurück und versteckt sich lieber hinter Ausflüchten mit Verweis auf Rechtmäßigkeiten, als der katalanischen Bevölkerung freie und faire Wahlen zu erlauben. Verfassungen sind nicht für Jahrhunderte geschrieben, sondern können der Zeit und den Bedürfnissen angepasst werden. Doch die spanische Regierung hat schon verlauten lassen, dass sie zu keiner Änderung bereit sei, die uns eine Volksabstimmung ermöglichen könnte.

Wir, die Katalanen, wundern uns, warum Spanien unbedingt die Menschen davon abhalten will, sich friedlich und offen in einer Volksabstimmung zu äußern. Wie sonst kann man sich eine Demokratie des 21. Jahrhunderts vorstellen? Politische Auseinandersetzungen sollten in modernen Zeiten durch Dialog und Verhandlungen gelöst werden. Die Zeiten, in denen einige wenige Privilegierte über und im Namen der anderen entscheiden, sind vorbei. Deshalb haben wir, eine Gruppe von betroffenen katalanischen Bürgern, die sich der Demokratie verpflichtet fühlen, beschlossen, diesen Artikel zu schreiben. Um die Welt wissen zu lassen, dass das, was die Katalanen wollen, abstimmen ist. Wer sollte vor der Demokratie Angst haben?

Unterzeichnet von:

Herr Josep Guardiola, ehemaliger Star-Fußballspieler und Trainer von FC Barcelona, jetziger Trainer von FC Bayern München

Herr Josep Carreras, weltberühmter Opernsänger und Mitglied von „Die drei Tenöre”, zusammen mit Plácido Domingo und Luciano Pavarotti

Herr Jordi Savall, Gambist, Dirigent und Komponist, einer der bedeutendsten Vertreter traditioneller Musik, der die Gambe zurück auf die Bühne gebracht hat und mit seinem Repertoire an Musiken des Mittelalters, der Renaissance und des Barock über die Grenzen hinaus bekannt wurde.

Dr. Joan Massagué, führender Krebsforscher am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, New York

Dr. Pol Antràs, Wirtschaftswissenschaftler an der Harvard-Universität, Boston

Dr. Xavier Sala i Martín, Professor der Ökonomie, Columbia-Universität, New York


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Samstag, 6. Dezember 2014

6. Dezember, Tag der spanischen Verfassung

Spanien möchte keine multikulturelle gesellschaft sein


Zahlreiche spanische Politikerinnen und Politiker, sowohl linker als auch rechter Parteien, sehen die Unterschiede zwischen Katalonien und dem restlichen Spanien nicht als Teil eines reichen, gemeinsamen Kulturerbes, sondern als eine Bedrohung der nationalen Einheit. Eine Parlamentsrede des spanischen Kultusministers sorgte kürzlich...
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Das Regionenmodell der spanischen Verfassung von 1978


Spanien zeigt in seiner jüngeren Geschichte ein ganzes Mosaik von unabgeschlossenen Versuchen zum nation-building. Die Konstruktion einer inklusiven spanischen Nation hat aber die Minderheitennationen (Katalonien, Baskenland und in gewissem Maße auch Galicien) nie für sich gewinnen können. Bis in die nachfranquistische Zeit hinein leitet...
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In Spanien gibt es keine Gewaltenteilun


Im Angesicht der aktuellen Lage ist es wichtig, dass die Welt weiß, dass die Dinge in Spanien nicht so demokratisch ablaufen, wie es scheint. Das spanische Verfassungsgericht -- das bei Verfassungsangelegenheiten das letzte Wort hat und zur Aufgabe hatte, über die Einsprüche gegen das katalanische Volksabstimmungsgesetz und die Volksabstimmungsverordnung...
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Das Recht auf Selbstbestimmung


Juristische Analyse der Kommission zur Verteidigung der Rechte des Einzelnen der Anwaltskammer von Barcelona Im Laufe ihrer fast vierzigjährigen Geschichte versuchte die Kommission zur Verteidigung der Rechte des Einzelnen der Anwaltskammer von Barcelona sich stets an allen Debatten gesellschaftlicher und juristischer Transzendenz...
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Die spanische verfassung gehört nicht mehr allen Spaniern 


Die Verfassung aus dem Jahr 1978 sollte Raum für Flexibilität und politische Kompromisse schaffen. Doch die Auslegung der Verfassung ist zu einem Monopol der zwei spanischen Volksparteien geworden, die sich auf ein sehr begrenztes Verständnis der Dezentralisierung und des Multikulturalismus versteift haben. Dies mag der mehrheitlichen...
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Ein Irrtum des spanischen Ministerpräsidenten


Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hat am 21.02.2013 vor dem spanischen Parlament den Bericht zur Lage der Nation präsentiert. In der nachträglichen Diskussion und über den Konflikt mit Katalonien befragt sagte er u.a.: „Es ist nicht gut, den Katalanen das Recht zu verweigern Spanier und Europäer zu sein“. Dieser Satz hat...
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Richter Santiago Vidal: Katalonien kann einseitig seine Unabhängigkeit erklären


Santiago Vidal, Richter am Landgericht Barcelona, hat am 28.1.2013 auf einer Pressekonferenz an das Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag (IGH) vom 22.7.2010 gemahnt, wonach es kein internationales Gesetz gibt, das einem Teil eines Landes verbietet, sich von diesem Land loszumachen.[1]  IGH-Präsident Owada sagte...
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Vier der Basis-Punkte des Verfassungsrechts, die man schon zu Beginn in der Universitat lernt


Vier der Basis-Punkte des Verfassungsrechts, die man schon zu Beginn in der Universitat lernt: DIE VERFASSUNG IST DEMOKRATISCH UND GEMEINSCHAFTLICHEN URSPRUNGS Das soll heissen, das Volk hat darüber abgestimmt. Aber von welchem Volk ist dabei überhaupt die Rede? Dabei ist von genau den Menschen die Rede, die endlich einen Funken Hoffnung...
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Lesen Sie mehr über spanischen Verfassung hier
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Freitag, 5. Dezember 2014

In Spanien gibt es keine Gewaltenteilung

Im Angesicht der aktuellen Lage ist es wichtig, dass die Welt weiß, dass die Dinge in Spanien nicht so demokratisch ablaufen, wie es scheint.

Das spanische Verfassungsgericht -- das bei Verfassungsangelegenheiten das letzte Wort hat und zur Aufgabe hatte, über die Einsprüche gegen das katalanische Volksabstimmungsgesetz und die Volksabstimmungsverordnung vom 9. November zu entscheiden -- scheint nicht mehr unvoreingenommen zu sein. Dieses Gericht besteht aus zwölf Mitgliedern (Richtern und Juristen von anerkannter Erfahrung und Befähigung), die von den folgenden Gruppen ausgewählt werden: vier vom Kongress (politisches Organ), vier vom Senat (ebenfalls politisches Organ), zwei von der Staatsregierung (noch politischeres Organ) und zwei vom Generalrat der rechtsprechenden Gewalt. Danach werden sie vom spanischen König ernannt.

Wie kann es sein, dass die, die über die Verfassungsmäßigkeit entscheiden, Teil des politischen Apparats sind? Wer kann uns versichern, dass diese Richter keine Anweisungen von der Regierung bekommen? Wie kann Spanien vorgeben, eine Gewaltenteilung zu haben -- eine Praxis, die sich in Europa seit der Französischen Revolution etabliert hat?

Seien wir mal ehrlich: in Spanien gibt es keine Gewaltenteilung. Man kann sogar sagen, dass es nie eine gab! In Spanien macht die Exekutive die Gesetze und Urteile; die Legislative glaubt, dass sie Urteile fällen und ausführen kann, und die Judikative bekommt direkte Befehle vom Rest.

Was garantiert uns, dem katalanischen Volk, dass die Einsprüche, die jetzt dem spanischen Verfassungsgericht vorliegen, jemals unparteiisch und gerecht behandelt werden? Gar nichts!

Spanien versucht nach Außen das Bild eines demokratischen Rechtstaates aufrechtzuerhalten, aber im Inneren stinkt es nach Diktatur.


Judit Clarasó, Juristin

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Freitag, 14. November 2014

„Volksbefragung in Katalonien. Ansporn für die Spiegelfechter“, von Vera Kämper



An: Der Spiegel. Politikredaktion.

Betr. „Volksbefragung in Katalonien. Ansporn für die Spiegelfechter“, von Vera Kämper.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Zu dem o.g. Artikel, erlauben Sie mir folgende Bemerkungen:

Sie sagen, dass die Katalanen „schon jetzt ungehindert ihre eigene Sprache sprechen, ihre Kultur leben und über weitreichende Autonomierechte verfügen“. Auf den Papier ist es so. In der Praxis aber sieht die Lage ganz anders aus. Nach der Entscheidung des Verfassungsgerichts, 2010, gegen den Autonomiestatut, jedes vom spanischen Zentralregierung erlassenen gesetz, muss in Katalonien obligatorisch angewendet, auch wenn es die Kompetenzen der katalanischen Regierung ignoriert. Ein Beispiel ist das umstrittene Bildungsgesetz des spanischen Bildungsministers Wert, daaa das erfolgreiche zweisprachige katalanische Bildungssytem zugunsten der spanische Sprache ändern will. Viele Autonomierechte werden immer weiter eingeengt oder einfach von der Zentralregierung ignoriert.

Der spanische Justizminister meint, dass Spanien ein demokratisches Land mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung sei. Dabei hat die spanische Regierung die freie Meinungsäußerung der Katalanen mit dem fadenscheinigen Argument verboten dies wäre nicht verfassungskonform. Das war falsch. Die Verfassung hätte 5 verschiedene Wege ermöglicht, das Dilemma zu lösen. Die Entscheidung der spanischen Regierung war keine verfassungsrechtliche sondern eine strikt politische. Es funktioniert in Spanien nicht mal ein unabhängiges Verfassungsgericht. Dieses ist ein bloßes Anhängsel der Exekutive, wenn „die heilige Einheit des Landes“ bedroht wird. Der Vorsitzende des Verfassungsgerichts Francisco Pérez de los Cobos hat mehrmals Artikel veröffentlicht in denen gegen den Wunsch der Katalanen nach mehr Autonomie wetterte. Als junge Mann war er Anhänger des faschistischen partei Fuerza Nueva, und half mit in der Kampagne der Partei gegen die neue spanische Verfassung..

Entgegen der Meinung Ihrer Autorin ist „das ganze Unterfangen“ alles andere als ein „Spiegelgefecht“. Vor zwei oder drei Jahren hätte „eine neue Regelung der Kompetenzen und der Finanzen“ die Lage noch entschärft. Jetzt ist es leider zu spät, weil die große Mehrheit der Katalanen kein Wort mehr glaubt, das von den Madrider Regierungen (gleich welcher Couleur) kommt.

Und zuletzt was die Erklärungen von Professor Stefan Talmon betrifft: wie in dem Fall von Kroatien oder Slowenien wird Katalonien wahrscheinlich nur nach und nach anerkannt. Die pragmatischen Interessen der Staaten werden sich aber am Ende durchsetzen, desto mehr, dass die Trennung Kataloniens keine Folge von Krieg und Gewalt sondern ein friedlicher und demokratisch durchgeführter Prozess sein wird.

Mit freundlichen Grüße

Pere Grau



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Dienstag, 28. Oktober 2014

Vier der Basis-Punkte des Verfassungsrechts, die man schon zu Beginn in der Universitat lernt

Vier der Basis-Punkte des Verfassungsrechts, die man schon zu Beginn in der Universitat lernt:

DIE VERFASSUNG IST DEMOKRATISCH UND GEMEINSCHAFTLICHEN URSPRUNGS

Das soll heissen, das Volk hat darüber abgestimmt. Aber von welchem Volk ist dabei überhaupt die Rede? Dabei ist von genau den Menschen die Rede, die endlich einen Funken Hoffnung auf eine Verfassung sahen, nach dem Sie fast 40 Jahren unter der Franco-Diktatur litten, in der die Grundrechte des Volkes von den Machthabern einfach unbeachtet gelassen, beziehungsweise verletzt wurden. Wer hätte diese Verfassung dann nicht gewählt.

Heute, also dreißig Jahre später, würde diese wohl niemand noch einmal wählen.

Die demokratische Macht liegt also beim Volk selbst, bei den Menschen! Aber wie ist es dann zu verstehen, dass innerhalb dieser angeblichen Verfassung das katalanische Volk keine Abstimmung durchführen darf um über seine Zukunft zu entscheiden?

DIE VERFASSUNG IST EINE VEREINBARUNG.

Das bedeutet, ein gutes Ergebnis der Einigung aller großen Parteien. Der damals regierenden Parteien versteht sich. Eine Einigung also, von politischen Kräften mit Erbschaften Francos und faschistischen Verbindungen die an ein Regime erinnern, in dem keine Grundrechte existierten. Kann man in diesem Fall tatsächlich von einer Einigung sprechen?

DIE VERFASSUNG IST UNVOLLSTÄNDIG

Eine Eigenschaft die es erlaubt, dass sie sich aus veralteten und überholten Gesetzen weiter-entwickelt. Gesetze die man zwar zu respektieren hat, aber im Laufe der Zeit hat das Verfassungs-gericht, sein eigenes höchstes Organ, welches über die Verfassungsmäßigkeit der Gesetze entscheidet, all seine Unabhängigkeit verloren (zumindest die wenige die sie während der Zeit der Demokratie hatte). Wie können wir dann also sicher sein, dass alle in der Verfassung verankerten Gesetze legal sind und tatsächlich verfassungsgemäss? Vielmehr stellt sich dann die Frage, wenn doch alles Gesetze verfassungsgemäß sind, warum es das Gesetz der Volksabstimmung des katalanischen Parlamentes nicht sein sollte?

DIE VERFASSUNG IST ZWEIDEUTIG

So dass sie sich im Laufe der Zeit anpassen könnte. Aber tut sie das wirklich? Die Zeit vergeht, die Zeiten ändern sich, doch die Verfassung bleibt wie sie ist, starr und in der Vergangenheit verwur-zelt. So erinnert und repräsentiert sie noch immer eine archaische Diktatur, und das in einer an-geblich modernen Demokratie. Vielleicht liegt diese ist die Mehrdeutigkeit in der Tatsache, dass die Regierung die Verfassung immer genau so interpretiert, wie es am besten passt.

DIE VERFASSUNG IST UNBIEGSAM

das will sagen, das sie über Mechanismen verfügt, die eine Überprüfung sehr kompliziert und eine Veränderung noch schwieriger machen. Und wenn man dann berücksichtigt, dass es ebenso wenig möglich ist, dass sich die Verfassung mit den Jahren an neue soziale Umstände anpasst, dann nutzt sie uns wirklich nur wenig.

Es ist die Verfassung einer demokratischen Ära, die Gleiche, die es erlaubt, dass ein Richter des Verfassungsgerichts während der Ausführung seines Amtes darüber hinaus auch noch in einer politischen Partei (der PP) aktiv ist (wir erinnern uns, dass dieses Gericht das höchste Organ der Verfassung ist). Die Gleiche, die es erlaubt, dass SPANISCH (die Sprache des spanischen Reiches”) an allen Schulen auf spanischem Territorium offizielles Verständigungsmittel sein und auf einem weit übergeordneteres Niveau als die parallel existierenden und vor allem verfassungsmäßig geschützten Sprachen gestellt werden soll. So will man die verfassungsgemäß offizielle Coexistenz der anderen Sprachen vergessen machen. Und ohne die Tatsache zu vergessen, das korrupte Politiker ungestraft und unbehelligt in ihren Ämtern verbleiben, nachdem sie öffentliche Gelder unterschlagen und "umgeleitet" (um nicht zu sagen gestohlen) haben. Ebensowenig wollen wollen wir die königliche Familie vergessen, die nach diversen Skandalen ungestraft davon kommt! Und letztendlich die erlaubten wiederholten faschis- tischen Veranstaltungen und soetwas in der heutigen Zeit, mitten im 21. Jahrhundert. Ja, Sie lesen richtig, dies ist die pure Demokratie!

So frage ich mich, ist das die Regel die nicht zulässt, dass das katalanische Volk sein Recht auf Entscheidung ausführt, das Recht abzustimmen? Das Recht auf allgemeinen, freien, direkten und geheimen Wahlen ist einer der Grundpfeiler jeder Demokratie, nicht wahr? Und die selbe Verfassung spiegelt diese wieder als einen seiner Leitsätze. Warum also sollte unsere Abstimmung am 9. November illegal und nicht durchführbar sein?

Das zeigt also, dass die Verfassung ganz nach den Belieben der Zentral-Regierung in Madrid angewendet und ausgelegt wird. Wenn Ihnen etwas nicht passt, wird sie missachtet, bzw. zu ihren Gunsten ausgelegt. Beziehungsweise wenn Sie etwas nicht interessiert oder aus eigenem Interesse ablehnen, wird es einfach als verfassungswidrig abgestempelt. Wirklich seltsam, nicht wahr?

Es scheint als wäre der Ruf eines Volkes nicht ausreichend, damit die Verfassung auch tatsächlich verfassungsgemäß ausgelegt wird und wir Katalanen unser Recht auf Selbstbestimmung bekommen. Eine Strafe die wir nicht verdient haben.

Lasst uns abstimmen!!!



Judit Clarasó

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